Kennen Sie Mona, IM, Denza und Tiggo? Nein, kein Problem, Sie haben sich ja gerade mal an Xpeng, MG, BYD und vielleicht auch Nio gewöhnt. Deutsche Autokäufer müssen eine lange Liste neuer Markennamen lernen. Die meisten davon kommen aus China.
Die Hersteller legen bei ihrer Expansion den berühmten China-Speed an den Tag und legen bereits mit Submarken nach. Aus der Modebranche wissen wir, es gibt keine größere Lüge als: One size fits all. Das ist bei Autos nicht anders. Alle Modelle, vom Kleinwagen bis zur Premium-Limousine, sollte man nicht unter einer Marke verkaufen. Differenzierung ist angesagt. Der neueste Zugang ist Mona aus dem Hause Xpeng.
Mona L03: Jung & weiblich

Mona klingt jung und weiblich. L03 ist dagegen sehr technisch und nur schwer zu merken. Auf alle Fälle fällt der SUV Mona L03 deutlich kleiner aus als die bisherigen XPeng-Modelle G6 und G9 sowie die Limousine P7+. In China hatte das Modell seine Premiere am 3. Juli. Die Weltpremiere folgt am 16. Juli 2026 in München.
Im Heimatmarkt startet der Preis bei 143.800 RMB, umgerechnet rund 18.500 Euro. Das SUV ist das zweite Modell der Submarke Mona nach der Limousine M03. Es kommt wahlweise als reines Elektroauto oder als Range-Extender mit Verbrenner an Bord. Die BEV-Version fährt je nach Batterie 525 oder 625 Kilometer nach dem optimistischen CLTC-Zyklus und beschleunigt in 6,6 Sekunden auf Tempo 100. Beim Schnellladen lädt der Akku laut Hersteller in knapp 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die Range-Extender-Variante gibt Xpeng mit 1.330 Kilometern kombinierter Reichweite an, rein elektrisch bleiben davon 315 Kilometer.
Gebaut wird der L03 für Europa möglicherweise bei Magna Steyr in Graz. Xpeng hatte im Juni ein viertes Auftragsmodell beim österreichischen Fertiger angekündigt, aber keinen Namen genannt. Offen bleibt, wie offensiv Xpeng die Submarke Mona als eigenständige Markt platziert. Auf den Fotos trägt das E-Auto das markante X der Hauptmarke auf der Haube sowie den Radnaben.
MG und IM: SAIC probt den Sprung nach oben
MG dagegen setzt auf ein neues Logo, bei dem man etwas Fantasie braucht, um es als IM zu erkennen. Zwei Punkte und zwei schräge Linien stehen für Intelligence in Motion. Während die Hauptmarke für bezahlbare Einstiegsmodelle steht, setzt SAIC aus Shanghai mit IM auf höherpreisige E-Autos. Preislich geht es bei rund 54.000 bzw. 57.000 Euro los. Die Limousine IM5 und das SUV-Coupé IM6 starten im Juli. Beide nutzen 800-Volt-Batterien, der IM5 soll bis zu 710 Kilometer nach WLTP schaffen und tritt gegen Tesla, BYD und die deutschen Premiumanbieter an.

BYD und Denza: Premium mit ungedeckten Versprechen
BYD staffelt sein Portfolio am deutlichsten. Die Volumenmarke BYD steht unten, darüber positioniert der Konzern Denza als Premiummarke, ganz oben rangieren die Luxusmarke Yangwang und die Offroad-Reihe Fang Cheng Bao. Der Europastart wurde im April 2026 mit einem Event in der Pariser Oper gefeiert. Zum Auftakt kommen der Shooting Brake Z9 GT für 115.000 Euro, der Luxus-Van D9 und später der Sportwagen Denza Z mit weit über 120.000 Euro Einstiegspreis. Bis Ende 2026 will BYD rund 40 Denza-Standorte und 80 Servicepunkte in Deutschland aufbauen. Als zentrales Verkaufsargument nennt Denza sein Flash-Charging mit bis zu 1.000 kW sowie einige ungewöhnliche Fahrfunktionen (Wenden auf der Stelle, Drift Mode).

Chery: dichtes Markendickicht
Kein Konzern treibt die Aufspaltung so weit wie Chery. In Deutschland startete der Hersteller mit dem Doppel aus Omoda und Jaecoo, beide im Volumensegment. Der Jaecoo 7 kommt als Plug-in-Hybrid für unter 40.000 Euro, der Omoda 5 als Elektroauto und Vollhybrid unter 30.000 Euro. Darüber hinaus bringt Chery mit Tiggo ein Famlien-SUV nach Europa. Dazu kehrt die frühere Land-Rover-Marke Freelander zurück, deren Rechte inzwischen Chery hält. Auch mit der Hauptmarke Chery plant der staatliche Autohersteller für 2027 seine Europa-Premiere. Für das Premiumsegment stehen noch Exlantix und die Marke Lepas bereit. Doch der Konzern hat im Heimatmarkt noch mehr zu bieten: iCar, Exeed, Jetour und Luxeed.

Geely: Submarken plus europäische Traditionsmarken
Geely kombiniert eigene Submarken mit zugekauften europäischen Namen. Volvo, Polestar und Lotus kennt man hier bereits. Lynk & Co. hat man eventuell auch schon mal gehört. Inzwischen ist die Hauptmarke Geely als auch Zeekr in Europa vertreten. Doch worin sich Zeekr und Geely unterscheiden, dürfte den meisten Kunden noch unklar sein. In China existiert mit Galaxy noch ein Premium-Ableger on Geely. Mit Geome hegt Geely Pläne für eine Europa-Expansion der Kleinwagen-Submarke.
Fazit: Kanibalisierung
Die Submarken-Strategie ist strategisch schlüssig und folgt dem Vorbild der etablierten Konzerne, Hyundai hat Genesis, Toyota hat Lexus und Nissan Infinity, wobei sich letztere Marke bereits wieder aus Europa zurückgezogen hat. Die Fülle der Submarken erzeugt ein hausgemachtes Risiko. Volumen- und Premiummodelle könnten sich gegenseitig Kunden abnehmen, die Gefahr der Kannibalisierung ist real.
In der Praxis überfordert das Tempo den Markt. Die chinesischen Hersteller starten Dutzende Marken nahezu gleichzeitig, während europäische Konzerne ihre Markenhierarchien über Jahrzehnte aufgebaut haben. Kurzfristig entsteht daraus vor allem Verwirrung, verstärkt durch offene Fragen bei Ladeinfrastruktur, Service und Restwerten.
Durchsetzen werden sich am Ende die Marken, die neben guter Technik auch Bekanntheit und ein dichtes Händlernetz aufbauen. Für die deutschen Anbieter bedeutet der Vorstoß dennoch Druck an beiden Enden der Preisskala zugleich. Der Wettbewerb verschiebt sich damit von einzelnen Modellen hin zu ganzen Markenportfolios.


