Die fünfte Generation des BMW X5 debütiert mit fünf Antriebsvarianten – darunter auch das erste vollelektrische Modell der Baureihe. Gleichzeitig schließt BMW ein milliardenschweres Investitionsprogramm in South Carolina ab. Das Werk Spartanburg wird zum globalen Vorzeigeprojekt für eine technologieoffene Produktion.
Fünf Antriebe, eine Plattform
Der BMW X5 ist seit 1999 das Flaggschiff der X-Familie und hat das Segment des Sports Activity Vehicle (SAV) für den Hersteller begründet. Mit der fünften Generation setzt BMW auf eine breite Antriebspalette: Neben Benziner und Diesel mit 48-Volt-Mild-Hybrid-Technologie sowie zwei Plug-in-Hybrid-Varianten startet der erste vollelektrische BMW iX5. 2028 soll das bereits länger angekündigte Wasserstoffmodell iX 5 Hydrogen folgen.

BMW iX5: Neue Zelltechnologie, große Batterie
Das Herzstück der SAV-Generation ist der vollelektrische BMW iX5 60 xDrive. Er basiert auf der sechsten Generation der eDrive-Technologie, kurz Gen6, die erstmals auf einer 800-Volt-Architektur aufbaut. Diese Systemspannung ist der entscheidende Faktor für die Ladegeschwindigkeit: Mit bis zu 460 kW Gleichstromleistung lädt der iX5 von 10 bis 80 Prozent in 23 Minuten. In zehn Minuten Ladezeit kommen bis zu 350 Kilometer Reichweite dazu. Der Akku bietet umglaubliche 141-kWh (Netto). Damit wiegt der iX5 rund 2,9 Tonnen.
Die Energie speichern neu entwickelte Rundzellen mit 46 Millimetern Durchmesser und 120 Millimetern Höhe. Im Vergleich zu prismatischen Zellen der Vorgängergeneration liegt die volumetrische Energiedichte rund 20 Prozent höher. Durch das Cell-to-Pack-Verfahren werden die Zellen direkt ins Batteriegehäuse integriert, ohne zwischengeschaltete Modulstruktur. Das spart Gewicht und Bauraum.

Bis zu 845 km Reichweite
Den Antrieb übernehmen zwei E-Maschinen. An der Hinterachse arbeitet eine stromerregte Synchronmaschine (SSM) mit 242 kW (329 PS), die ohne Permanentmagnete auskommt und ihr Magnetfeld variabel regelt. An der Vorderachse sitzt ein Asynchronmotor (ASM) mit 183 kW (249 PS), der bei geringer Last vollständig abgeschaltet wird und so keine Schleppverluste erzeugt. Die Systemleistung beider Motoren zusammen beträgt 425 kW (578 PS) und 805 Nm. Den Standardsprint absolviert der iX5 60 xDrive in 4,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h.
Die WLTP-Reichweite gibt BMW mit 645 bis 845 Kilometern an. Der Verbrauch wird mit 20,1 bis 23,9 kWh je 100 Kilometer (WLTP) angegeben. Ein vollelektrisches SUV dieser Größe und Leistungsklasse ist eben kein Effizienzchampion, auch wenn die Aerodynamik mit einem cw-Wert von 0,28 ordentlich ausfällt.

Bidirektionales Laden und Energiemanagement
Neben dem schnellen Laden unterstützt der BMW iX5 bidirektionales Laden. Vehicle-to-Load (V2L) erlaubt die Nutzung der Fahrzeugbatterie als mobile Stromquelle mit bis zu 3,7 kW Ausgangsleistung. Vehicle-to-Home (V2H) koppelt den iX5 in Verbindung mit der BMW Wallbox Professional und einer Photovoltaikanlage an den Haushalt. BMW gibt das jährliche Einsparpotenzial mit bis zu 530 Euro an, was allerdings auf einer Simulation mit definierten Randbedingungen beruht. Vehicle-to-Grid (V2G) ermöglicht zusätzlich die Rückspeisung ins öffentliche Netz, wobei BMW mit E.ON einen entsprechenden Tarif mit einem Bonus von bis zu 720 Euro jährlich anbietet.
Laden mit Wechselstrom funktioniert serienmäßig mit 22 kW.

Spartanburg: 1,7 Milliarden Dollar und ein neues Batteriewerk
Parallel zur Fahrzeugpremiere hat BMW den Abschluss eines 2022 angekündigten Investitionsprogramms in South Carolina verkündet. Insgesamt 1,7 Milliarden US-Dollar flossen in den Ausbau des Werks sowie den Bau eines neuen Batterie-Montagewerks im nahegelegenen Woodruff.
„Der erfolgreiche Abschluss unserer Investitionen in unsere Werke in Spartanburg und Woodruff ist ein entscheidender Meilenstein: Er unterstreicht unser Vertrauen in die Vereinigten Staaten und stärkt die Rolle South Carolinas in unserem globalen Netzwerk”, sagt Milan Nedeljković, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG
Das Werk in Spartanburg ist mit täglich mehr als 1.500 produzierten Fahrzeugen der größte BMW-Standort weltweit. Gleichzeitig ist BMW mit dem Werk (wertmäßig) der größte Autoexporteur der USA. Im Jahr 2025 liefen dort 412.799 Fahrzeuge vom Band. Der BMW iX5 wird das erste vollelektrische Modell sein, das dort produziert wird. Bis 2030 plant BMW mindestens sechs vollelektrische Modelle in den USA zu fertigen.

Batteriefertigung ohne fossile Brennstoffe
Das neue Batteriewerk in Woodruff setzt vollständig auf erneuerbare Energien und kommt ohne fossile Brennstoffe aus. Hier kommt das Cell-to-Pack-Verfahren in der Fertigung zum Einsatz: Die Zellen werden direkt in das Batteriegehäuse eingesetzt, ohne vorherige Modulbildung. Das vereinfacht den Produktionsprozess und reduziert Teileanzahl sowie Kosten.
In Spartanburg selbst bezieht das Werk seinen gesamten Fremdstrom aus erneuerbaren Quellen. Zwischen 2006 und 2025 sank der Energiebedarf je produziertem Fahrzeug um 66 Prozent. BMW betreibt dort zudem humanoide Roboter des Unternehmens Figure AI sowie das selbst entwickelte KI-Qualitätssystem AIQX, das mit Kameras und Sensoren entlang der Montagelinie Qualitätsprüfungen automatisiert und Mitarbeitenden Echtzeit-Feedback gibt. Mit Einführung der neuen Klasse setzt BMW bei seinen E-Autos auf zylindrische Zellen, so wie sie auch Tesla nutzt.

Einordnung: Technologieoffenheit als Wettbewerbsstrategie
Der neue BMW-CEO hält am Kurs seines Vorgängers fest. Für Oliver Zipse galt „Technologieoffenheit“ als Mantra. Natürlich erhöht das Angebot von fünf Antriebsarten Entwicklungs, Produktions- und Logistikkosten. Ob sich das langfristig als Vorteil erweist, hängt davon ab, wie sich Ladeinfrastruktur und Kundennachfrage für E-Autos weiterentwickeln.
Das Festhalten am iX5 Hydrogen stößt auf Staunen. Zumindest für Europa und ganz besonders Deutschland gibt es für diese Antriebstechnik keinen Markt. BMW bezieht die Brennstoffzelle und weitere Bauteile für den Antrieb von Toyota. Neben dem Toyota Mirai bietet nur noch Hyundai mit dem Nexo in Deutschland ein Wasserstoff-Pkw an. Im vergangenen Jahr lagen die Zulassungszahl für diese Fahrzeuge bei 224 gegenüber etwas mehr als einer halben Million batterie-elektrischer Pkw. Damit einher geht ein weiteres Infrastruktur-Problem: Die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen ist laut Übersichtsseite von H2 Mobility von knapp 100 auf 31 geschrumpft.

Der iX5 ist schwer und verbraucht daher viel Energie
Der iX5 liefert technisch überzeugende Kennzahlen: 800-Volt-Batteriesystem, 460 kW Ladeleistung und eine Reichweite von bis zu 845 Kilometern sind in dieser Fahrzeugklasse Spitzenwerte. Konkurrenten wie der Mercedes EQS SUV oder der Audi Q8 e-tron kommen an diese Ladeleistung nicht heran. Allerdings benötigt man für den Einstieg in die Fahrfreude mit dem iX5 mindestens 103.000 Euro.
Was BMW nicht verbergen kann: 2.900 Kilogramm Leergewicht und ein Basisverbrauch nördlich von 20 kWh sind strukturelle Nachteile einer elektrifizierten Premiumplattform dieser Größe. Der Markt ab Ende November 2026 wird zeigen, ob die Reichweite und das Ladetempo die Gewichtsfrage übertünchen können.







