Lotus Eletre X: Mit Range Extender gegen Reichweitenangst

Lotus Eletre X

Lotus erweitert sein Portfolio um eine technologisch außergewöhnliche und zugleich kontroverse Variante ihres Hyper-SUV. Der Lotus Eletre X kombiniert einen elektrischen Antrieb mit einem benzinbetriebenen Generator an Bord. Diese als „X-Hybrid“ bezeichnete Architektur wird auch als Range Extender bezeichnet und verspricht über 1.200 Kilometer Gesamtreichweite sowie eine Ladezeit von nur neun Minuten. Damit zielt Lotus auf eine zahlungskräftige Kundschaft, für die die rein elektrische Langstreckentauglichkeit noch ein Kompromiss darstellt. Die Auslieferungen sollen im vierten Quartal 2026 starten.

X-Hybrid: Ein serieller Hybrid als technologische Brücke

Die Kerninnovation des Eletre X ist seine Antriebsarchitektur. Anders als bei klassischen Plug-in-Hybriden treibt der Verbrennungsmotor nicht die Räder an. Stattdessen fungiert ein 2,0-Liter-Turbomotor ausschließlich als Generator, der einen 150 kW starken Bordgenerator speist. Dieser lädt während der Fahrt die 70-kWh-Batterie oder versorgt die Elektromotoren direkt mit Strom. Die beiden Permanentmagnet-Motoren an den Achsen sind somit allein für den Vortrieb zuständig. Dieses Konzept sichert eine durchgehend elektrische Fahrdynamik und soll Leistungseinbrüche bei niedrigem Batteriestand verhindern. Die rein elektrische Reichweite gibt Lotus mit bis zu 350 Kilometern an. In Kombination mit dem 52-Liter-Benzintank soll die Gesamtreichweite über 1.200 Kilometer nach WLTP betragen.

Der Eletre X zeigt, wie modernste Technologie den Fahrer wirklich ins Zentrum rückt – ein Grundwert der Marke Lotus. Wir sind überzeugt, dass wir ein Fahrzeug geschaffen haben, das nicht nur technisch neue Maßstäbe setzt, sondern auch das emotionale und praktische Fahrerlebnis unserer Kunden spürbar bereichert“, sagt Qingfeng Feng, CEO der Lotus Group.

900-Volt-Architektur für konstante Leistung

Die Basis für die hohe Performance bildet ein 900-Volt-Batteriesystem. Es ermöglicht nicht nur eine hohe Dauerleistung, sondern auch kurze Ladezeiten. An einem 350-kW-DC-Schnelllader soll die 70 kWh Batterie in nur neun Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden. In der Spitzenversion Eletre X H1000 leisten die beiden Elektromotoren eine Systemleistung von 952 PS und entwickeln ein Drehmoment von 935 Nm. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt damit in 3,3 Sekunden. Lotus betont die Wiederholbarkeit dieser Leistung. Selbst bei einem Batterieladestand von nur 20 Prozent sollen noch rund 550 kW (ca. 748 PS) abrufbar sein, was im Wettbewerbsumfeld ein starker Wert ist.

Fahrdynamik: Leichter und agiler trotz Komplexität

Trotz der zusätzlichen Hybrid-Komponenten bleibt Lotus seinem Leichtbau-Anspruch treu. Durch Optimierungen an Karosseriestruktur und Antriebssystem ist der Eletre X bis zu 120 Kilogramm leichter als sein rein elektrisches Pendant, der Eletre 900. Um die Agilität des großen SUV sicherzustellen, kommt ein Arsenal moderner Fahrwerkstechnologie zum Einsatz. Eine 48-Volt-Wankstabilisierung liefert bis zu 1.400 Nm ausgleichendes Drehmoment und minimiert die Seitenneigung in Kurven. Ergänzt wird das System durch eine Zweikammer-Luftfederung, adaptive Zweiventil-Dämpfer und eine aktive Drehmomentverteilung. Aktive Aerodynamik-Elemente wie der Kühlergrill und ein Heckspoiler, der bis zu 120 kg Abtrieb erzeugt, optimieren die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten.

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Sensorik und Interieur: Bereit für automatisiertes Fahren

Im Innenraum setzt Lotus auf eine Mischung aus digitalen Anzeigen und physischen Bedienelementen. Das Betriebssystem „Lotus Hyper OS“ steuert die Funktionen, während ein Head-up-Display fahrrelevante Informationen direkt ins Sichtfeld projiziert. Die Rechenleistung für Assistenzsysteme und Infotainment liefert die NVIDIA-Thor-Architektur. Insgesamt sind dreißig Perzeptionssensoren verbaut, darunter Lidar, was eine solide Hardwarebasis für zukünftige, hochautomatisierte Fahrfunktionen darstellt. Damit positioniert sich der Eletre X technologisch auf Augenhöhe mit Wettbewerbern, die ebenfalls auf leistungsfähige Rechenplattformen für das autonome Fahren setzen.

Fazit: Pragmatische Lösung mit hohem Preis

Der Lotus Eletre X ist ein technologischer Brückenschlag. Er bietet die unmittelbare Leistungsentfaltung eines Elektrofahrzeugs und eliminiert gleichzeitig die Reichweiten- und Ladeinfrastruktur-Bedenken durch den Onboard-Generator. Dieses Konzept ist nicht neu, aber das Geely-Tochterunternehmen hebt es auf ein neues Leistungsniveau. Für Puristen der Elektromobilität mag der Verbrenner an Bord ein Rückschritt sein. Für performanceorientierte Kunden, die häufig lange Strecken fahren, könnte der Eletre X eine überzeugende Alternative zu rein batterieelektrischen SUVs wie dem Porsche Macan Electric sein. Der hohe Einstiegspreis von 96.990 Euro und der späte Marktstart Ende 2026 werden jedoch Hürden sein, die es in einem bis dahin nochmals verschärften Wettbewerbsumfeld zu überwinden gilt.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto.

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