Audi E-Tron und Jaguar I-Pace plagen Kinderkrankheiten

Reichlich Genugtuung für Tesla-Boss Elon Musk. Jahrelang machten sich die etablierten Autohersteller über sein Start-up lustig. „Elektroautos, das sind Spielzeuge“, hieß es. Doch inzwischen treibt Musk die gesamte Autoindustrie vor sich her. Alle großen Hersteller setzen auf batterie-elektrische Fahrzeuge. Jaguar war der erste größere europäische Hersteller mit seinem I-Pace im Jahr 2018. Die Ingolstädter haben nach langem Anlauf im März 2019 mit den Auslieferung des Audi E-Tron begonnen. Nun plagen beiden Hersteller Kinderkrankheiten und sie müssen ihre Elektroautos zurückrufen. Bei Jaguar sind es die Bremsen, bei Audi könnte Feuchtigkeit einen Kurzschluss in der Batterie verursachen.

In Sachen Energieeffizienz haben die Tesla-Modelle die Nase vor Audis E-Tron und Jaguars I-Pace

Audis E-Tron ein Scheißhaufen?

Auf der Tesla-Hauptversammlung konnte sich Elon Musk beim Effizienzvergleich der Elektroautos ein Grinsen nicht verkneifen: „Ich will nicht auf dem E-Tron rumhacken…. Aber da ist Luft für Verbesserungen.“ Dann sprach er E-Tron französisch aus: ètron kann man mit Scheißhaufen übersetzen. Musk kämpft noch immer an vielen Fronten in seinen Unternehmen, auch wenn er für das zweite Quartal des Jahres Rekordzahlen in Aussicht stellt. Da dürfte es für ihn beruhigend sein, dass auch die großen, etablierten Hersteller beim Thema Elektromobilität noch eine Lernkurve durchlaufen.

Elon Musk scherzt auf der Aktionärs-Versammlung von Tesla über Audi

Feuchtigkeit im Akku könnte Brand im Audi E-Tron auslösen

Audi muss weltweit 7.000 E-Trons, quasi die gesamte bisherige Auslieferung, zurückrufen. In Deutschland sind rund 2.300 Elektroautos betroffen. Schuld ist eine mangelhafte Kabeldichtung zwischen der Batteriesteuerung und der Hochvolteinheit. Bei Regen könnte Feuchtigkeit in den Akkublock eindringen. Im schlimmsten Fall käme es zu einem Kurzschluss und damit zu einem Brand. Bislang ist ein solcher Fall nicht aufgetreten. Audi reagiert hier vorsorglich.

Bei mehreren Besitzern habe sich die gelbe Akku-Fahrleuchte eingeschaltet. Sollte die Lampe rot leuchten, rät Audi seinen Kunden dazu, das Fahrzeug sofort abzustellen und eine Audi-Werkstatt zu kontaktieren. Die undichten Bauteile werden jetzt ausgetauscht. Die Besitzer erhalten in der Zeit ein Ersatzfahrzeug (mit Verbrennermotor) sowie einen Ladegutschein. Durch den Austausch der Bauteile könnte auch die aktuelle Produktion und damit die Auslieferung bestellter Fahrzeuge betroffen sein. Engpässe bei der Elektromotoren-Herstellung sowie der Batterielieferung durch LG Chem hatten bereits zu Verzögerungen bei der Auslieferung vom Audi E-Tron geführt.

Jaguar I-Pace und Audi E-Tron beim Formel E-Lauf 2019 in Berlin

I-Pace bekommt Software-Update für die Bremsen

Für Jaguars I-Pace hat die amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) einen Rückruf veröffentlicht. Ab Anfang Juli müssen rund 3.000 Fahrzeuge in die Werkstatt. Da der I-Pace kein drahtloses Update (Over the air) installieren kann, müssen die Besitzer zu Jaguar fahren.

Das Problem: Die Rekuperationsbremse könnte verzögert reagieren und so den Wagen zu spät zum Stillstand bringen. Im I-Pace wirkt zunächst die Rekuperation. Egal, ob der Fahrer nur den Fuss vom Fahrpedal nimmt oder das Bremspedal drückt, zunächst erzeugt die Verzögerung elektrische Energie, die in den Akku fließt. Erst danach greifen die Scheibenbremsen. Diesen Effekt konnte ich bei meiner Testfahrt im Jaguar I-Pace deutlich spüren. Jetzt soll ein Softwareupdate dafür sorgen, dass die Scheibenbremsen früher „zugreifen“.

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Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren derzeit im Bereich Mobilität. Darum dreht es sich in seinen Artikeln und Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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