Mit dem Voyah Free startet eine weitere chinesische Marke in Deutschland. Voyah gehört zum staatlichen Autohersteller Dongfeng. Das Elektro-SUV positioniert sich im Premium-Segment und will mit üppiger Ausstattung und hoher Leistung punkten. Der Einstiegspreis liegt bei 74.990 Euro. Doch ein genauer Blick auf die technischen Daten offenbart eine entscheidende Schwäche, die den Erfolg in Europa erschweren.
Solide Leistungswerte für den Newcomer
Der Voyah Free basiert auf der Electric Smart Secure Architecture (ESSA), einer Eigenentwicklung von Dongfeng. Zwei Elektromotoren, je einer an Vorder- und Hinterachse, realisieren einen Allradantrieb. Sie erzeugen eine Systemleistung von 360 kW (489 PS) und ein maximales Drehmoment von 720 Newtonmetern. Damit beschleunigt das SUV in 4,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h elektronisch begrenzt. Die Energie liefert ein Akku mit einer Nettokapazität von 106 kWh, der eine WLTP-Reichweite von bis zu 500 Kilometern ermöglichen soll.
Ladeleistung als Achillesferse
Während die Fahrleistungen überzeugen, enttäuscht die Ladeinfrastruktur des Fahrzeugs. An einer DC-Schnellladesäule erreicht der Voyah Free eine maximale Ladeleistung von lediglich 100 kW. Bei einer Akkugröße von 106 kWh führt dieser Wert zu langen Ladestopps auf der Langstrecke. Der Hersteller gibt für den Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent eine Zeit von 45 Minuten an. Im Premium-Segment des Jahres 2026 ist das nicht mehr konkurrenzfähig. Wettbewerber wie der Audi Q8 e-tron oder der Kia EV9 erreichen hier Werte von über 170 kW beziehungsweise 240 kW und verkürzen die Standzeit an der Ladesäule erheblich. Auch an der heimischen Wallbox oder an öffentlichen AC-Säulen lädt der Free mit maximal 11 kW.
Umfangreiche Sensorik für assistiertes Fahren
Für die Assistenzsysteme, die Voyah als Level 2+ einstuft, setzt der Hersteller auf eine umfangreiche Sensor-Ausstattung. Insgesamt 24 Sensoren überwachen das Fahrzeugumfeld, darunter zwölf Ultraschallsensoren, fünf Millimeterwellen-Radare und sieben Kameras. Ein Nachtsichtsystem ergänzt die Ausstattung und soll die Sicherheit bei Dunkelheit erhöhen. Auffällig ist der Verzicht auf ein Lidar-System, das bei vielen Konkurrenten als Schlüsseltechnologie für zukünftige, höherautomatisierte Fahrfunktionen gilt. Ob die verbaute Sensorik für die versprochenen Funktionen unter allen Bedingungen ausreicht, müssen erst ausführliche Tests zeigen.

Digitales Cockpit mit Fokus auf den Beifahrer
Im Innenraum dominiert eine breite Display-Einheit, die sich über das gesamte Armaturenbrett erstreckt. Sie besteht aus drei Bildschirmen mit einer Diagonale von jeweils 12,3 Zoll. Während Fahrer- und Zentraldisplay die üblichen Informationen und Bedienelemente beherbergen, dient der dritte Bildschirm direkt vor dem Beifahrer primär der Unterhaltung. Ein serienmäßiges Soundsystem von Dynaudio unterstreicht den Premium-Anspruch. "Der Voyah Free repräsentiert unser Engagement, hohe Leistung mit nachhaltigem Luxus zu verbinden. Wir sind zuversichtlich, dass er einen neuen Maßstab im Premium-EV-Segment in Europa setzen wird", sagt Ivan Mihailov, CEO von Voyah Europe.
Fazit: Starke Hardware mit gravierendem Manko
Der Voyah Free hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Das SUV bietet eine starke Antriebsleistung, eine große Batterie und eine umfangreiche Serienausstattung inklusive Luftfederung und digitalem Cockpit. Dem gegenüber steht jedoch eine Ladeleistung, die für ein Fahrzeug dieser Preis- und Größenklasse inakzeptabel langsam ist. Für einen Preis von rund 75.000 Euro ist eine maximale DC-Ladeleistung von 100 kW schlicht nicht mehr zeitgemäß und schränkt die Langstreckentauglichkeit massiv ein. So bleibt der Voyah Free vorerst ein Angebot für Käufer, die primär auf der Kurzstrecke unterwegs sind und auf eine opulente Ausstattung mehr Wert legen als auf kurze Ladestopps.



