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Von Füssen nach Flensburg im Ford Mustang Mach E

Ford Mustang Mach E

Ford Mustang Mach E. Puh, vier Worte für ein Auto. Das ist lang und auch nicht einfach zu behalten. Ford macht einen Kunstgriff auf seine ikonische Sportwagen-Marke, um den ersten vollelektrischen Pkw auf die Straße zu bringen. Den kurzen Versuch mit dem Ford Focus Electric mit der dicken Batterie-Kiste im Kofferraum (2013-2017) vergessen wir mal.

Der Zusatz Mach E (im Deutschen sicher oft Mache ausgesprochen) spielt auf die Version Mach I von 1969 an. James Bond-Fans erinnern sich an die Verfolgungsjagd durch Las Vegas in „Diamantenfieber„. Die Machsche Zahl gibt eine Geschwindigkeit im Verhältnis zur Schallgeschwindigkeit an. Mach I ist also Schallgeschwindigkeit. Was natürlich für ein Auto Quatsch ist. Was Mach E genau ist, wissen wohl nur die Marketing-Experten in der Zentral in Dearborn. Vermutlich Mach Electric. Zumal: Ford besitzt die Markenrecht am „Model E“. Das hat Elon Musk furchtbar geärgert. Dass Model 3 von Tesla sollte eigentlich ein Model E werden, dann wäre die Produktpalette: SEXY. So behilft sich Tesla mit einer gespiegelten 3.

Ford Mustang Mach E
Ford Mustang Mach E: frisch aus der Waschanlage

Start am Schloss Neuschwanstein

Aber zurück nach Deutschland. Ganz in den Süden nach Füssen. Die Grenze zu Österreich liegt hinter dem Berg und auf einem Hügel thront Deutschlands berühmtestes Schloss: Neuschwanstein. Im Schatten der Vorlage für das Disney-Schloss beginnt meine Testfahrt in den Norden nach Flensburg. Immer auf der A7, der längsten, durchgehenden Autobahn unseres Landes. Die Strecke ist knapp 1.000 Kilometer lang.

Zum Laden habe ich den Ford-Pass dabei. Einmal als Plastikkarte mit RFID-Chip und einmal in Form einer App. Damit kann ich an 155.000 Ladepunkte in 21 Ländern Energie tanken. Die App ermöglicht auch das Bezahlen. Das Ford-Pass Charging Network wird in Zusammenarbeit mit NewMotion betrieben. Die Testladekarte versagt ihren Dienst auf meiner Tour leider an Ladestationen von Innogy, Allego sowie E-Wald. Das liegt aber vor allem an den Ladesäulenbetreibern, die nur ihre App oder keine RFID-Karten akzeptieren. Beim Laden in Hamburg wird der Ford Pass an den lokalen Ladesäulen auch nicht akzeptiert.

Bis 150 kW an Schnellladern

Ford ist Anteilseigner des Ionity-Konsortiums. Hier dürfen die Mustang-Fahrer im ersten Jahr für 0,31 Euro pro kWh laden. Am DC-Anschluss lädt der Wagen mit bis zu 150 kW. Laut Herstellerbroschüre soll ich mit der maximalen Ladeleistung meine Reichweite in rund Minuten um 119 km erhöhen (Heckantrieb).

An einer Ionity-Ladesäule geht die Anzeige beim Laden sogar bis 160 kW rauf. Leider ist der Einbruch der Ladeleistung ab 80 Prozent Ladekapazität dramatisch. Sie sind auf rund 11 kW. Das liegt hoffentlich noch an der Vorseriensoftware in meinem Testwagen und wird zum Marktstart noch besser. Ford liefert mit dem Mustang Mach E zwei Ladekabel mit Typ 2 bzw. Schuko-Stecker mit (Mode 2/3). Für daheim ist eine Wallbox von Alpiq im Ford-Angebot.

Zahlenschloss wie beim Schließfach

An der B-Säule gibt es auf Fahrerseite ein Ziffernfeld, das rot aufleuchtet, wenn man es berührt. Hier kann man per Geheimzahl den Wagen öffnen. Den Wagen startet man mit der Eingabe einer zweiten Kombination auf dem Touchscreen. Das ist praktisch, falls man weder Schlüssel noch Smartphone auf die Joggingrunde oder an den Strand mitnehmen möchte. 

Mit der App FordPass kann man den Wagen per Smartphone öffnen. Man sieht den Ladezustand aus der Ferne, kann den Wagen orten, den Reifendruck kontrollieren, vergangene Fahrten als auch das eigene Fahrverhalten auswerten. Der Trip-Planer ermöglicht eine Routenplanung daheim. Die gefundene Strecke sendet man ans Fahrzeug, inklusive der geplanten Ladestopps. Ein Funktion zur Klimatisierung habe ich in der App leider nicht gefunden.

Mit der Ford Pass-App das Auto aus der Ferne Überwachen

Der temperamentvolle Ford Mustang Mach E

Der Fahrer blickt auf einen sehr reduzierten Bildschirm. Der ist gerade mal 5,5 Zentimeter hoch, hat aber eine Diagonale von 26 cm. Diese Instrumententafel ist extrem reduziert: Reichweite, Ladezustand (SoC), Tempo, aktuelles Tempolimit, Infos der Sensoren zur Seite als auch nach vorn. Dazu noch Icons für Licht, Außentemperatur und der gewählte Gang (Automatik).

Dominiert wird das Armaturenbrett allerdings vom Tablet im Hochkantformat in der Mitte. Mit 39 cm Diagonale fällt es angenehm groß aus. Am unteren Rad klebt ein Rad auf dem Display zur Anpassung der Lautstärke. Es reagiert auch auf Druckbefehle. Neben der Navigation wählt man hier den Fahrmodus: Aktiv, Zahm oder Temperamentvoll. Hier bedient man sich der Pferdeanalogie. Wobei mir Untamed im Englischen besser gefällt als Temperamentvoll. Mit jedem Fahrmodus verändert sich die Farbgebung auf der Instrumententafel, die Innenbeleuchtung und der Sound. Bei Temperamentvoll erklingt von hinten ein Geräusch, das an einen klassischen Mustang erinnern soll. Mir ist das zu albern, ich deaktiviere alle zusätzlichen Sounds.

Man kann auch in jedem Modus die 1 Pedal-Fahrweise aktivieren. Damit wird Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt, sobald man den Fuss vom Fahrpedal nimmt (Rekuperation). In der Stadt finde ich das sehr angenehm. Auf der Autobahn deaktiviere ich es, weil ich „segeln“ – also einfach rollen will.

Die Autobahnfahrt ist mit aktiviertem Abstandstempomat und Spurthalteassistenten entspannt. Lediglich mit der sehr harten Federung werde ich nicht warm. Sie passt besser in einen Sportwagen. Der Mustang ist aber ein Familienauto. Mit 5,3 bis 7 Sekunden von Null auf Hundert (je nach Variante) disqualifiziert er sich als E-Sportwagen. Und das Raumangebot schreit geradezu: FAMILIE! Hinten ist extrem viel Platz sowie zwei USB-Anschlüsse. Der Raum über dem Kopf reicht locker für große Erwachsene auf der Rückbank. Das Glas-Panoramadach sorgt für ein angenehmes Raumgefühl und viel Licht. Die Designer haben hier einen tollen Kniff hinbekommen. Optisch sieht die Dachlinie von der Seite aus wie ein Coupé. Darüber sitzen aber noch mal zehn Zentimeter Aufbau in der Dachfarbe. Das schafft die notwendige Kopffreiheit auf der Rückbank.

Geschicktes Design: Die Dachlinie wirkt wie bei einem Coupé

Die Sprachsteuerung reagiert sofort auf mein „Ok, Ford“, doch mit dem Umsetzen der Befehle, vor allem der Fahrziele, hat das System seine Schwierigkeiten. Das muss sich erst an mich und meine Aussprache gewöhnen. Für den guten Ton in Sachen Radio bzw. meiner Spotify-Playliste sorgen zehn Lautsprecher von B&O mit 560 Watt Leistung.

Den Kofferraum öffnet man besser mit dem Funkschlüssel. Beim Knopf unter der Haube muss man immer suchend fummeln, was zu dreckigen Fingern führt. Der Kofferraum fasst 402 Liter und mit umgeklappter Rückbank 1.420 Liter. Unter der Abdeckplatte ist noch Raum für Sicherheitsweste, Warndreieck, Verbandskasten und Ladekabel. Was mich hinten stört, ist die Position der Rückfahrkamera. Sie sitzt vollkommen ungeschützt in der Heckklappe, so dass immer ein Tropfen auf der Linse hängen bleibt. Das stört natürlich im Monitor beim Zurücksetzen. Ein kleiner Vorsprung über der Linse könnte helfen. Der Blick nach hinten in den Rückspiegel ist auch unbefriedigend, da der Heckwischer zu kurz geraten ist und oben einen undurchsichtigen 10 cm hohe Schmutzstreifen auf der Scheibe stehen lässt.

Videobericht: 1.000 Test-Kilometer von Füssen nach Flensburg auf der A7

Optional gibt es den Ford Mustang Mach E mit einer Anhängerkupplung, die mit 30 kg belastet werden darf. Das könnte mit Fahrradträger und E-Bike schon knapp werden. Bei einem rollenden Anhänger darf die Zuglast bis zu 750 kg schwer sein.

Unter der Fronthaube verbergen sich rund 100 Liter Stauraum. Hier ist Platz für das Ladekabel oder eine Reisetasche. Das Fach hat einen Ablauf, so dass man zur Grill- oder Strandparty Getränke mit Eiswürfeln kühlen kann. Was ich aber nicht begreife: Warum muss man die Haube mit zweimaligem Ziehen an einem Griff im Fußraum über einen Seilzug öffnen? Das wirkt stets wie ein Notfall. Dabei ist das nützlicher Stauraum, den man täglichen nutzen möchte. Warum öffnet sich die Fronthaube nicht genau wie die Heckklappe – auch über den Funkschlüssel?

Ford Mustang Mach E Ellund
Am Ziel angekommen: Der Grenzübergang nach Dänemark in Ellund

Sportliche Mustang GT-Variante

Im Laufe des Jahres 2021 folgt noch eine GT-Version des Mustang Mach E. Da leisten die Motoren sportliche 342 kW und ein Drehmoment von 830 Nm. Der GT ist in 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und fährt bis zu 200 km/h schnell. Bei seinen weiteren Elektrifizierungsplänen setzt Ford auf den elektrischen Baukasten (MEB) von Volkswagen. Ab 2023 sollen zwei Modelle in Europa, eventuell sogar in Köln, entwickelt und produziert werden.

Fazit zum Mustang Mach E

Der Mustang Mach E ist ein gelungener erster Wurf von Ford. Wer allerdings einen Sportwagen erwartet, wird enttäuscht. Es ist ein preislich attraktiver Familien-SUV, der Papa immerhin das gute Gefühl eines schnellen Rennpferds auf der Front gibt.

Mein Verbrauch von 27 kWh auf der knapp 1.000 km langen Teststrecke ist kein Rekord und weit vom WLTP-Wert mit 18,7 kWh entfernt. Doch es war Winter, ich bin schnell gefahren, hatte Klimaanlage und Sitzheizung an. Das geht für das 2.200 kg schwere E-Auto schon in Ordnung. Ich fand den Wagen prima ausgestattet und gut verarbeitet. Was mir allerdings fehlte, ist eine Anzeige des aktuellen Energieverbrauchs während der Fahrt. Auch während einer Ladepause bleibe ich auf die Anzeige der Ladesäule angewiesen. Der Mustang schweigt zur Energiemenge, die er gerade aufnimmt.

VarianteE-Standard RangeE-Extended RangeDual-E Standard Range Dual-E Extended Range
Batterie75 kWh
288 Zellen
99 kWh
376 Zellen
75 kWh
288 Zellen
99 kWh
376 Zellen
MotorHeckHeckAllradAllrad
kW (PS)198 (269)216 (290)198 (269)258 (346)
Drehmoment (Nm)430430580580
AntriebHeckHeckAllradAllrad
Länge,
Breite,
Höhe (mm)
Alle:
4.713

1.881
1.624
Stauraum in L (alle)Front:100 Heck:  402 / 1420 
Reichweite km (WLTP) 440 610 400 540
Vmax (km/h)180180180180
0-100 km/h (Sek)6,97,06,35,8
Verbrauch (kWh/100 km) 17,2 16,5 19,5 18,7
 Gewicht kg    2.200
Preise 46.900 € 54.475 € 54.000 € 62.900 €
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Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum dreht es sich in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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