Der Automobilkonzern Stellantis gibt am gleichen Tag gleich zwei strategische Partnerschaften für das automatisierte Fahren bekannt: Mit dem KI-Spezialisten Wayve und dem Chiphersteller Qualcomm.
Im Rahmen der Kooperation mit Wayve soll die KI-gesteuerte Fahrfunktion des Londoner Start-ups in Stellantis eigene STLA-AutoDrive-Plattform integriert werden. Das Ergebnis soll ein freihandiges, überwachtes Fahrsystem der Stufe Level 2++ sein, das sowohl Autobahnen als auch städtische Umgebungen abdeckt. Damit ist der Fahrer also von Haustür zu Haustür unterwegs. Der Start ist für 2028 in Nordamerika geplant.
Wayve verfolgt einen sogenannten End-to-End-KI-Ansatz: Das System lernt direkt aus realen Fahrdaten und soll sich so kontinuierlich verbessern sowie auf verschiedene Märkte und Fahrzeugtypen übertragen lassen. Ein erster Prototyp auf einem Stellantis-Fahrzeug wurde den Angaben zufolge in weniger als zwei Monaten umgesetzt – ein Tempo, das die Flexibilität des Ansatzes unterstreichen soll.
Snapdragon sitzt am Steuer
Parallel dazu hat Stellantis die bestehende Zusammenarbeit mit Qualcomm deutlich ausgeweitet. Die erweiterte Kooperation integriert Qualcomms Snapdragon-Digital-Chassis-Lösungen in STLA Brain, Stellantis’ Software- und Elektronikplattform, und soll Cockpit, Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme leistungsfähiger machen. Die Vereinbarung umfasst auch die Snapdragon-Ride-Pilot-ADAS-Plattform, die von aktiver Sicherheit über regulatorische Funktionen bis hin zu Level-2+-Autonomie skalierbar ist.
Bemerkenswert ist ein weiterer Aspekt der Qualcomm-Vereinbarung: Stellantis und Qualcomm haben eine unverbindliche Absichtserklärung unterzeichnet, wonach Stellantis’ Tochterunternehmen für automatisiertes Fahren und Simulation, aiMotive, zu Qualcomm wechseln soll – vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. 
Beide Kooperationen ergänzen sich technisch: Während Qualcomm die Hardwarebasis und ADAS-Plattform liefert, steuert Wayve die übergeordnete KI-Fahrintelligenz bei. Stellantis positioniert sich damit als einer der wenigen Konzerne, der die gesamte Automatisierungsarchitektur – von der Chip-Ebene bis zur KI-Software – durch externe Partnerschaften aufbaut, statt sie vollständig im eigenen Haus zu entwickeln. Ob diese Strategie gegenüber vertikal integrierten Wettbewerbern wie Tesla aufgeht, wird sich spätestens 2028 zeigen.
