Rivians großer Sprung: Fabrik-Erweiterung und Öffnung des eigenen Ladenetzwerkes

Rivian Ladenetzwerk

Rivian, der in Normal (Illinois) ansässige E-Autobauer, schickt zwei Botschaften in die Welt: Das geplante Werk in Georgia wird größer als bislang bekannt. Das firmeneigene Ladenetz ist längst nicht mehr nur etwas für Rivian-Fahrer.

Die die geplante Produktionskapazität des zukünftigen Werks in Stanton Springs North wird von 200.000 auf 300.000 Fahrzeuge erhöht. Begründung: niedrigere Stückkosten durch bessere Auslastung und mehr Spielraum für spätere Expansionsphasen. CEO RJ Scaringe sprach von einer „partnerschaftlichen Zusammenarbeit“ mit dem US-Energieministerium, dessen Office of Energy Dominance Financing den Kredit auf bis zu 4,5 Milliarden Dollar aufgestockt hat.

Im Frühjahr 2026 soll der Hochbau beginnen, der erste Kreditabruf ist für Anfang 2027 geplant, die Fahrzeugproduktion für Ende 2028. Noch im selben Jahr sollen dort bis zu 50.000 Robotaxis entstehen in Kooperation mit Uber, wie Rivian bereits bekanntgegeben hatte. Das Werk wäre damit von Anfang an nicht nur Pkw-Fabrik, sondern Plattform für autonome Mobilität.

Das Rivian Network öffnet sich

Das Rivian Adventure Network (RAN) ist kein geschlossenes Ökosystem mehr. Rivian öffnet sein Netz schrittweise für alle Elektrofahrzeuge. Heute unterstützt nahezu jeder Standort kompatible Fremdfahrzeuge. Neben dem bestehenden CCS1-Standard werden zusätzlich NACS-Anschlüsse verbaut, jener Steckerstandard, den Tesla etabliert hat und der sich in Nordamerika zunehmend durchsetzt.

Die neuen Ladersäulen sind höher, mit längeren Kabeln für unterschiedliche Ladeanschlusslagen und mit Tap-to-Pay-Terminals ausgerüstet, die keine App erfordern. Wer keine Rivian-App hat, zahlt mit der Kreditkarte. In Sachen Zuverlässigkeitszahl gibt Rivian 98 Prozent Betriebszeit im gesamten Netz an. Im Vergleich zum US-weiten Durchschnitt, der laut mehrerer Studien deutlich darunter liegt, ist das ein starker Wert. Rivian erklärt die Zuverlässigkeit damit, dass man Hardware, Software und Wartung selbst in der Hand hat.

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Zwischen Aufbruch und Risiko

Rivian hat in den vergangenen Jahren Lehrgeld bezahlt: Produktionsverzögerungen, Lieferkettenstress, hohe Verluste pro Fahrzeug. Der R1T und der R1S haben eine loyale Fangemeinde aufgebaut, aber der Massenmarkt wartet noch. Der R2 soll das ändern: ein kompakteres, günstigeres Modell, das Rivian endlich in breitere Kundensegmente tragen soll.

Vor diesem Hintergrund ist die Kapazitätserhöhung in Georgia ein mutiger Schritt. 300.000 Einheiten jährlich sind kein Nischenprodukt mehr, das ist ein Versprechen an den Markt, dass Rivian liefern kann und will. Die Kooperation mit dem DOE und der milliardenschwere Kredit geben dem Vorhaben politische Rückendeckung in einem Umfeld, das amerikanische Fertigung ausdrücklich fördern will.

Das Ladenetzwerk ist dabei mehr als Infrastruktur, es ist Markenbotschaft. Ein zuverlässiges, offen zugängliches Netz senkt die Hemmschwelle für Neukunden, die vielleicht noch nie einen Rivian gefahren haben. Wer einmal gut an einer RAN-Säule geladen hat, könnte beim nächsten Autokauf anfällig für die Marke sein.

Bild von Michael Schröder

Michael Schröder

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