US-Gesetz könnte Mercedes-Benz vom amerikanischen Markt ausschließen

Der GLE und GLS werden in Tuscaloosa von Mercedes-Benz produziert

Ein Gesetzentwurf im US-Repräsentantenhaus könnte Mercedes-Benz dazu zwingen, den amerikanischen Markt zu verlassen. Der sogenannte Motor Vehicle Modernization Act of 2026 soll verhindern, dass chinesisch kontrollierte Autohersteller in den USA Fahrzeuge produzieren, verkaufen oder importieren. Die Formulierungen in dem Gesetzentwurf sind so weit gefasst, dass sie auch Mercedes-Benz treffen könnten.

Zwei Anteilseigner aus China

Der Grund: Größter Einzelaktionär von Mercedes-Benz ist der staatliche chinesische Autokonzern BAIC (Beijing Automotive Industrial Corp.) mit einem Anteil von 9,98 Prozent. Das Gesetz verbietet Herstellern mit „direkter oder indirekter Kapitalbeteiligung einer Regierung eines ausländischen Gegners“ – darunter fällt China – jegliche Produktions- oder Verkaufstätigkeit in den USA für fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes.

Der zweitgrößte Einzelaktionär von Mercedes ist der chinesische Milliardär Li Shufu, Gründer des Geely-Konzerns, mit 9,69 Prozent. Zusammen halten BAIC und Li Shufu damit 19,67 Prozent an der Mercedes-Benz Group AG. Das Gesetz enthält zusätzlich eine Klausel, die Firmen betrifft, die zu 15 Prozent oder mehr von ausländischen Personen oder einer Kombination solcher Personen „kontrolliert“ werden. Mehrere mit dem Gesetzentwurf vertraute Personen sagten gegenüber dem US-Sender CNBC, dass Mercedes-Benz unter die Regelung fallen würde. „Die Sprache ist eindeutig“, wird ein ehemaliger Autopolitikberater und Lobbyist zitiert.

Zwei Werke, über 10.000 Beschäftigte

Dabei ist Mercedes-Benz ein bedeutender Arbeitgeber in den USA: Das Hauptwerk im alabamischen Tuscaloosa produziert seit 1997 und hat bislang mehr als fünf Millionen Fahrzeuge vom Band gebracht. Hier planen die Stuttgarter bis 2030 weitere Investitionen von rund vier Milliarden US-Dollar.

Ein weiteres Werk in South Carolina fertigt Transporter. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen mehr als 10.000 Menschen im Land. Ein Mercedes-Sprecher wollte sich gegenüber CNBC nicht zum Gesetzentwurf äußern, verwies aber ausdrücklich auf diese Präsenz.

Unbeabsichtigte Konsequenz?

Experten halten es für möglich, dass Mercedes-Benz im Gesetzgebungsverfahren schlicht und einfach übersehen wurde. Stephen Ezell vom Washingtoner Thinktank Information Technology and Innovation Foundation sagte, Mercedes stelle ein deutlich geringeres Sicherheitsrisiko dar als chinesisch kontrollierte Hersteller. Eine mögliche Einbeziehung von Mercedes sei „eine unbeabsichtigte Konsequenz, die zum Verlust von Arbeitsplätzen und Gewinnen führen könnte“.

Der Entwurf enthält zwar Ausnahmeregelungen, etwa für Hersteller, die seit mindestens fünf Jahren vor dem 1. Januar 2026 in den USA produzieren. Diese gelten jedoch explizit nicht für Unternehmen mit staatlich-chinesischer Beteiligung, womit Mercedes-Benz auch hier durchs Raster fällt.

Weitere Hersteller betroffen

Neben Mercedes-Benz könnten auch Volvo, mehrheitlich im Besitz von Geelys Li Shufu, sowie kleinere Marken wie Faraday Future und Lotus unter die Regelung fallen. Volvo hat nach eigenen Angaben bereits eine Sondergenehmigung der US-Regierung erhalten, um bestehende Verbote für Software und Hardware aus China zu umgehen.

Der Gesetzentwurf ist bislang eine reine Hausinitiative ohne ein Pendant im Senat. Wie es weitergeht, hängt unter anderem davon ab, ob der Text noch geändert wird – oder ob BAIC seinen Mercedes-Anteil verkauft.

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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