Formel E: Audi und BMW schmeißen hin (Update)

Audi Lucas di Grassi Rene Rast

Audi und BMW verstehen zu überraschen: Ab Saison 8 (2021/2022) gehen die beiden Automarken nicht mehr an den Start der Elektro-Rennserie. Erst vor wenigen Tagen hatte man bei Audi die Teamaufstellung mit den Fahrern Lucas di Grassi und René Rast sowie Teamchef Allan McNish vorgestellt. Stolz präsentierte man die eigenentwickelt Antriebseinheit (MGU05) der Presse. Am vergangenen Wochenende trainierten die Teams in Spanien für den Saisonstart Mitte Januar 2021 in Santiago de Chile.

Der Ausstieg ist mehr als überraschend: Mit dem Team Abt Scheffler gehört Audi von Anfang an zur Formel E. 2017 wurde daraus das Audi-Werksteam. Mit insgesamt 43 Podiumsplätzen – darunter zwölf Siegen – ist es das erfolgreichste Team der Formel-E-Geschichte und Lucas di Grassi der erfolgreichste Fahrer.

Rallye Dakar statt Formel E

Die Formel E mit ihren internationalen Rennläufen auf Kursen in Innenstädten ist das perfekte Schaufenster für Elektromobilität. Bis 2025 will Audi mehr als 20 Modelle mit reinem Elektro-Antrieb in den wichtigsten Märkten weltweit anbieten. Das Unternehmen plant, rund 40 Prozent seines Absatzes mit rein elektrischen e-tron-Reihe sowie Plug-in-Hybriden zu erzielen. Alles Zukunftsmusik, aber für Audi-Chef Markus Duesmann längst Realität: „Heute ist Elektromobilität bei den Vier Ringen nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Gegenwart. Deshalb gehen wir beim elektrifizierten Motorsport den nächsten Schritt und stellen uns extremsten Bedingungen. Die Rallye Dakar mit ihren vielen technischen Freiheiten ist dabei ein perfektes Testlabor für uns.

Audi Rallye Dakar
Audi Vision eine hybriden Rennwagens für die Rallye Dakar

Audi will mit einem Hybrid-Fahrzeug ins Langstreckenrennen einsteigen. Die zweite große Säule im Motorsportprogramm bleibt der Kundensport. Dabei bietet Audi Sport potentiellen Kunden wie beispielsweise Envision Virgin Racing seine Antriebseinheit sowie Service für den weltweiten Renneinsatz an. Zudem gehören Starts mit dem Audi R8 LMS bei Langstreckenrennen wie dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in internationalen Rennserien wie der Intercontinental GT Challenge zum Programm.

Nur drei deutsche Automarken

Für die Rennserie ist das ein schwerer Schlag. In der kommenden Saison wird sie zum ersten Mal als offizielle FIA-Weltmeisterschaft ausgetragen. Mit Porsche, BMW und Mercedes waren die vier großen deutschen Automarken vertreten. Jetzt lautet die große Frage: Wie verhält sich die Konzern-Marke Porsche?

Gleichzeitig verlässt Audi-Motorsportchef Dieter Gass nach knapp zehn Jahren in der Position das Unternehmen. Julius Seebach übernimmt zu seiner Funktion als Geschäftsführer der Audi Sport GmbH die Verantwortung für die Motorsportaktivitäten.

Hört Duesmann hier auf Diess?

Die Entscheidung aus Ingolstadt kommt extrem überraschend. Audi gibt ein starke Position in der Formel E auf und zerstört bisherige Aufbauarbeit. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Das will ich hier tun: Audi-Chef Duesmann agiert in vorauseilendem Gehorsam. VW-Boss Herbert Diess, der den gesamten Konzern derzeit auf Elektromobilität ausrichtet, schrieb vor einigen Monaten als Antwort auf einen Beitrag von Bill Gates bei LinkedIn Erstaunliches: „Aus meiner persönlichen Sicht wäre es besser, mit dem klassischen Motorsport fortzufahren: Die CO2-Neutralisierung der Formel 1 mit synthetischen Kraftstoffen ist viel aufregender, unterhaltsamer, Renn-erfahrener und technologischer Wettbewerb als die Formel E, die einige Runden in der Innenstadt im Gaming Modus dreht. All dies ist nur dann sinnvoll, wenn wir CO2-freien Strom erhalten. (…)“ Dieses Statement verwirrt, da Diess und der VW-Konzern sich eigentlich gegen synthetische Kraftstoffe als „zu aufwändig, kostenintensiv, wenig klimaeffizient und mit geringem Wirkungsgrad“ positionieren. Diess gilt als großer Verfechter der Elektromobilität.

Dussmann ist Diess Kronprinz. Der Audi-Chef ist für alle wichtigen Zukunftsprojekte im Konzern verantwortlich: Software im Auto als auch den „Tesla-Jäger“, also ein konkurrenzfähiges E-Auto mit effizientem Verbrauch. Solche Techniken kann man auch auf der Rennstrecke entwickeln. In der Formel E geht es um Effizienz. Die Teams müssen mit der Energie (52 kWh) 45 Minuten plus eine Runde auskommen, sonst bleiben sie liegen und erreichen die Ziellinie nicht.

Auch Volkswagen Motorsport stellt seine Aktivitäten ein. Das gilt für alle Rennserien und Antriebe. Damit findet auch das teuer aufgebaute Projekt ID.R mit dem elektrischen Rennwagen, der in Pikes Peak einen Zeitrekord aufstellte, ein trauriges Ende.

Update: Auch BMW beendet sein Engagement

Ab Saison 8 ist auch das BMW i Andretti Motorsport Team nicht mehr am Start. Die Bayern wollen sich auf die Serienfertigung ihrer Elektroautos konzentrieren. Die Möglichkeiten eines Technologietransfers zwischen Rennstrecke und Werk habe die BMW Group bei der Entwicklung von E-Antrieben inzwischen im Wesentlichen ausgeschöpft, heißt es in der Pressemitteilung.

Was bedeutet das für die Rennserie, die jetzt von der FIA als Weltmeisterschaft anerkannt wird? Wenn zwei von zehn Autoherstellern aussteigen, könnte das gesamte Konstrukt ins Wanken geraten. Sicherlich denken jetzt weitere Hersteller über einen Ausstieg nach. Als deutsche Marken sind noch Mercedes und Porsche vertreten.

Eventuell ist man im Management enttäuscht über die Zuschauerzahlen bzw. das mediale Echo der Formel E. Doch dafür ist der Zeitpunkt der Entscheidung irgendwie unpassend – direkt vor dem Start der siebten Saison. So eine Entscheidung dürfte man nach einer Rennsaison fällen. Eventuell will man Geld sparen. Das dürfte jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag in den Kassen der Hersteller belassen.

BMW i Rennwagen in der Formel E
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Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum dreht es sich in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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