Saudi-Arabien startet einen Vorstoß in die globale Automobilindustrie. Mit der Marke Ceer und dem Modell Exobot als Limousine und SUV präsentiert das Königreich einen ambitionierten Einstieg in die Elektromobilität. Die technischen Daten lesen sich wie eine Kampfansage an etablierte Player wie Lucid Motors und Tesla. Doch hinter den beeindruckenden Zahlen verbergen sich auch Designentscheidungen, die in der Praxis Fragen aufwerfen.
Leistung auf Supersportwagen-Niveau
Die technische Basis bildet eine dreimotorige Allrad-Architektur mit 800-Volt-Technik. In der höchsten Ausbaustufe mobilisiert das System 1.111 PS und ein Drehmoment von 1.500 Newtonmetern. Diese Werte ermöglichen der Limousine eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden. Das SUV folgt mit 2,4 Sekunden. Damit zielt Ceer direkt auf Konkurrenten wie das Tesla Model S Plaid und den Lucid Air Sapphire. Torque Vectoring. Ein aktives Fahrwerk soll die Kraft kontrollierbar auf die Straße bringen.

Eigenständiges Design mit fragwürdigen Details
Optisch zeigt der Exobot eine scharf gezeichnete Linienführung, die laut Hersteller von der antiken Architektur Hegras inspiriert ist. Mit 5,26 Metern Länge bei der Limousine und 5,02 Metern beim SUV gehören beide Varianten klar zum Oberklasse-Segment. Ein markantes Merkmal ist die 2,4 Meter lange Windschutzscheibe, die in einem extrem flachen Winkel von 15 Grad geneigt ist. Dies soll die Aerodynamik optimieren, stellt aber hohe Anforderungen an Fertigung und Steifigkeit.
Als Show-Effekt verbaut Ceer fast drei Meter lange „Shahin-Wing-Doors“. Diese an Falkenflügel erinnernden Türen öffnen sich nach oben und bieten einen weiten Einstieg. Im Alltag dürften sie sich in engen Parklücken jedoch als unpraktisch erweisen – ein bekanntes Problem solcher Türkonzepte.

Yoke-Lenkrad und Steer-by-Wire
Der Innenraum wird von einem 48 Zoll großen, gebogenen Display dominiert, das sich über die gesamte Breite erstreckt. Ceer setzt zudem auf ein Yoke-Lenkrad, das auf einen oberen Lenkradkranz verzichtet. Diese Lösung, die bereits bei Tesla für Diskussionen sorgte, erfordert eine hohe Gewöhnung. Sie wird durch eine Steer-by-Wire-Technologie ermöglicht, die ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern auskommt. Der Lenkwinkel reduziert sich dadurch auf 160 Grad. Eine mitlenkende Hinterachse soll die Agilität bei niedrigen Geschwindigkeiten und die Stabilität bei hohem Tempo verbessern.
Für die klimatischen Bedingungen der Golfregion entwickelte Ceer das Kühlsystem „Halo Cooling“, das den Innenraum bei 65 °C Außentemperatur binnen zehn Minuten auf 32 °C herunterkühlen soll.

Autonomes Fahren noch ohne Details
Ceer verspricht ein „fortschrittliches Ökosystem autonomer Funktionen“. Die Beschreibungen bleiben jedoch vage. Genannt werden freihändiges Fahren und automatische Spurwechsel auf Autobahnen. Welche Sensorik – etwa Lidar-Systeme – zum Einsatz kommt und welches SAE-Level die Fahrzeuge erreichen, lässt der Hersteller offen. Hier fehlt es an konkreten technischen Angaben, um die Fähigkeiten im Wettbewerbsvergleich einordnen zu können. Software-Updates sollen Over-the-Air (OTA) aufgespielt werden, um Funktionen und Leistung kontinuierlich zu verbessern.
First Edition mit 112-kWh-Batterie
Zum Marktstart bietet Ceer eine limitierte „First Edition“ an. Deren Leistung liegt bei 850 PS und 1.000 Nm. Die Energie liefert eine 112-kWh-Batterie, die dank der 800-Volt-Architektur in unter 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden kann. Die Reichweite der Limousine gibt CEER mit bis zu 670 Kilometern an, allerdings nach dem veralteten NEFZ-Zyklus. Realistische WLTP-Werte dürften deutlich darunter liegen.

Fazit
Ceer startet mit dem Exobot einen beeindruckenden Angriff. Die Leistungsdaten und die technische Basis mit 800-Volt-System und Steer-by-Wire sind auf Augenhöhe mit den besten Fahrzeugen im Markt. Die Marke zeigt Mut zu einem eigenständigen Design und unkonventionellen Lösungen wie den riesigen Flügeltüren und dem Yoke-Lenkrad.
Der Beweis steht jedoch noch aus, ob ein neuer Hersteller die immense Komplexität in Software, Fertigungsqualität und Fahrerlebnis beherrschen kann. Es ist interessant zu sehen, wie die Elektromobilität neue Player hervorbringt. Da wären Vinfast aus Vietnam oder Togg aus der Türkei. Lucid ist zwar eine US-Gründung, doch die Mehrheit der Anteile liegt in den Händen des saudischen Staatsfonds PIF.



