BYD bringt mit seiner Submarke Fang Cheng Bao zwei sportliche Elektroautos auf den chinesischen Markt: die Coupé-Limousine Formula S und den Shooting Brake Formula S GT. Beide Modelle positionieren sich optisch, preislich und technisch gegen den Xiaomi SU7 und den Tesla Model 3. BYD setzt dabei auf eine neue Fahrwerkstechnik, hohe Ladeleistungen und ein Sensorik-Paket für automatisiertes Fahren.
Zwei Karosserieformen, ein Preisrahmen
Der Formula S startet als Coupé-Variante bei 189.900 Yuan, umgerechnet rund 24.600 Euro. Das Topmodell mit Allradantrieb kostet 229.900 Yuan, etwa 29.800 Euro. Der Formula S GT als Shooting Brake beginnt bei 219.900 Yuan, umgerechnet rund 28.500 Euro, und reicht bis 239.900 Yuan beziehungsweise etwa 31.100 Euro für die Allrad-Topversion.
Zum Vergleich: Der Xiaomi SU7 startet in China bei umgerechnet rund 24.000 Euro, das Tesla Model 3 liegt je nach Ausstattung zwischen 26.000 und 33.000 Euro. BYD positioniert die Formula-S-Reihe damit im Preisfenster der beiden Platzhirsche.

Neuartiges Fahrwerk als technisches Kernstück
Beide Modelle führen die DiSus-M-Federung ein, ein magnetorheologisches* Fahrwerk mit Dämpferanpassung im Millisekundenbereich. BYD verspricht eine engere Abstimmung zwischen Fahrkomfort und Fahrdynamik, als es konventionelle adaptive Dämpfer leisten. Ob sich der technische Aufwand im Alltag spürbar von etablierten Systemen wie dem CDC-Fahrwerk abhebt, muss ein Test erst zeigen.
Bei der Antriebstechnik unterscheidet BYD zwischen Heck- und Allradvarianten. Die RWD-Modelle leisten 245 kW (329 PS) oder 300 kW (402 PS), die AWD-Versionen kommen auf eine Systemleistung von 490 kW (657 PS). Die maximale Reichweite nach dem chinesischen CLTC-Zyklus liegt bei 900 Kilometern, ein Wert, der im europäischen WLTP-Zyklus deutlich niedriger ausfallen wird.
Für die Ladeleistung nennt BYD eine Zeit von fünf Minuten für den Sprung von 10 auf 70 Prozent Akkuladung sowie neun Minuten für 10 auf 97 Prozent. Diese Werte entsprechen den Angaben des BYD Flash Charging Systems.

Fahrassistenz mit Lidar
Beide Modelle fahren mit dem BYD-eigenen Assistenzsystem „God’s Eye B“, das auf einen Lidar-Sensor zurückgreift und Autobahn- sowie Stadtnavigation unterstützt, also fahren mit aktiver Spur- und Geschwindigkeitsführung auf Schnellstraßen und im innerstädtischen Verkehr. Der Funktionsumfang bleibt an chinesische Straßenverhältnisse und Kartendaten gebunden und lässt sich nicht ohne Weiteres auf europäische Märkte übertragen. Xiaomi und Tesla verfolgen bei der Sensorik unterschiedliche Strategien: Xiaomi setzt beim SU7 ebenfalls auf Lidar, Tesla verzichtet komplett darauf und verlässt sich allein auf Kamerasysteme.

Karosserie und Innenraum
Der Formula S misst 5.060 mm in der Länge, 1.967 mm in der Breite und 1.483 mm in der Höhe. Der Formula S GT fällt mit 5.025 mm Länge und 1.458 mm Höhe etwas kompakter aus. Beide Modelle teilen sich einen Radstand von 2.960 mm. Der cw-Wert liegt beim Formula S bei 0,22, beim GT bei 0,25.
Im Innenraum verbaut BYD ein 26 Zoll großes AR-Head-up-Display, ein Soundsystem von Devialet sowie Sitze mit sogenannter Zero-Gravity-Position. Auffällig ist das modulare Schnittstellensystem im Cockpit: PIN-, Magnet- und Schraubanschlüsse erlauben das Nachrüsten von Zubehör wie Umgebungslicht, physischen Schaltern oder einer Karaoke-Einheit. Ein Konzept, das an die Zubehör-Ökosysteme mancher Smartphone-Hersteller erinnert und bislang kein direktes Pendant bei Xiaomi oder Tesla findet.

Fazit
Mit der Formula-S-Reihe erweitert BYD sein Portfolio um ein Segment, in dem bislang vor allem Xiaomi und Tesla den Ton angeben. Die technischen Eckdaten, allen voran die 657 PS starke Allradversion und die kurzen Ladezeiten, positionieren die neuen Modelle konkurrenzfähig.
Ob das magnetorheologische Fahrwerk den versprochenen Vorteil tatsächlich liefert und wie sich das Lidar-gestützte Assistenzsystem im Alltag schlägt, bleibt unabhängigen Tests vorbehalten. Für den europäischen Markt sind die Formula S und S GT bislang nicht angekündigt.
* Als magnetorheologisch bezeichnet man Materialien bzw. Verfahren, deren fließfähige oder elastische Eigenschaften sich unter Einfluss eines Magnetfeldes innerhalb von Millisekunden verändern.


