BYD im ersten Halbjahr 2026: Exportrekord kaschiert Schwäche im Heimatmarkt

BYD Explorer (Foto: BYD)

BYD meldet für die ersten sechs Monate 2026 sinkende Umsätze und einen deutlichen Gewinnrückgang (-20,54 Prozent). Gleichzeitig verzeichnet der chinesische Hersteller einen Exportsprung von fast 68 Prozent. Verantwortlich für die schwache Inlandsbilanz sind laut Unternehmensangaben vor allem Kapazitätsengpässe bei der zweiten Generation der Blade Battery. Der Wettbewerber Geely rückt derweil auf dem chinesischen Heimatmarkt näher an BYD heran.

Umsatz und Gewinn brechen ein

BYD weist für das erste Halbjahr 2026 einen operativen Umsatz von rund 344,8 Milliarden Yuan aus, umgerechnet 44,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 7,13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn sinkt um 20,54 Prozent auf rund 12,32 Milliarden Yuan, etwa 1,6 Milliarden Euro.

Als Ursache nennt BYD Wechselkursschwankungen und daraus resultierende Devisenverluste. Das operative Kerngeschäft bleibe stabil, so das chinesische Unternehmen. Diese Einschätzung stützt sich auf das zweite Quartal: Dort steigt der Nettogewinn im Jahresvergleich um 30 Prozent, die Bruttomarge erreicht mit 18,9 Prozent den höchsten Stand seit einem Jahr. Für das Gesamthalbjahr sinkt der Bruttogewinn zwar um 2,81 Prozent auf 64,99 Milliarden Yuan, die Marge klettert aber von 18,01 auf 18,85 Prozent. Der Effekt lässt sich direkt auf das margenstärkere Auslandsgeschäft zurückführen.

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Batterieengpass bremst das Inlandsgeschäft

Von Januar bis Juni 2026 verkauft BYD insgesamt 1,81 Millionen Fahrzeuge, ein Minus von 15,72 Prozent im Jahresvergleich. Konzernchef Wang Chuanfu macht dafür in erster Linie die Lieferkette verantwortlich, konkret die noch nicht ausreichende Fertigungskapazität der zweiten Blade-Battery-Generation, die sich weiterhin in der Hochlaufphase befindet. Wang Chuanfu: "Die Umsätze in diesem Jahr hängen vom Hochlauf der Batterieproduktion ab."

Ein Mitarbeiter aus dem Flash-Charging-Geschäft von BYD bestätigt, dass die Kapazität nach sechs Monaten Linienausbau zwar gestiegen, aber weiterhin knapp sei. Der Rückgang verläuft nicht gleichmäßig: Im ersten Quartal bricht der Absatz noch um 30,01 Prozent ein, im zweiten Quartal beträgt das Minus mit 1.108.048 verkauften Einheiten nur noch 3,24 Prozent. Die Batterieproduktion holt also auf, reicht aber noch nicht, um den Rückstand aus dem Jahresauftakt auszugleichen. Nur mit der zweiten Batteriegeneration lässt sich die volle Leistung des Flash Charging (1,5 Megawatt in China, 1.0 Megawatt in Europa) realisieren.

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Auto- und Elektronikgeschäft im Detail

BYD trennt seine Umsätze in zwei Segmente: Das Segment Automobile und verwandte Produkte erwirtschaftet rund 275,34 Milliarden Yuan (35,36 Mrd. Euro), ein Minus von 8,98 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es macht 79,85 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Verglichen mit den 302,5 Milliarden Yuan (38,84 Mrd. Euro) aus dem ersten Halbjahr 2024 liegt der Wert weiterhin niedriger, gegenüber den 228,3 Milliarden Yuan (29,32 Mrd. Euro) aus dem ersten Halbjahr 2025 ist er jedoch gestiegen.

Das zweite Segment, Elektronik und sonstige Produkte, wächst dagegen leicht um 0,96 Prozent auf rund 69,41 Milliarden Yuan (9,91 Mrd. Euro) und steht für 20,13 Prozent des Konzernumsatzes. Dieses Segment läuft über die Tochtergesellschaft BYD Electronic. Zur Produktpalette zählen die Auftragsfertigung von Smartphone-Komponenten und kompletten Endgeräten für internationale Marken, Gehäuseteile und Baugruppen für Unterhaltungselektronik sowie zunehmend Bauteile für vernetzte Fahrzeugsysteme und Photovoltaik-Komponenten. Während das Autogeschäft also unter der Batterieknappheit leidet, liefert die Elektroniksparte einen stabilen, wenn auch kleinen Wachstumsbeitrag und wirkt damit als Puffer im Konzernergebnis.

BYD hält an hohen Forschungsausgaben fest: 28,9 Milliarden Yuan (3,71 Mrd. Euro) Entwicklungsaufwand im ersten Halbjahr entsprechen etwa dem 2,3-Fachen des Nettogewinns im selben Zeitraum, die kumulierten F&E-Ausgaben übersteigen mittlerweile 270 Milliarden Yuan (34,67 Mrd. Euro). Der operative Cashflow steigt um 17,3 Prozent auf 37,34 Milliarden Yuan (4,79 Mrd. Euro), während sich die Lagerumschlagsdauer von 79 auf 109 Tage verlängert. BYD begründet das mit dem wachsenden Auslandsgeschäft und längeren Transportzeiten per Schiff.

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Exporte und Premiummarken als Wachstumstreiber

Während das Inlandsgeschäft schwächelt, beschleunigt sich die Internationalisierung deutlich. Nach Daten des chinesischen Herstellerverbands CAAM exportiert BYD im ersten Halbjahr 792.000 Fahrzeuge, ein Plus von 67,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Exporte machen damit inzwischen knapp 44 Prozent des Gesamtabsatzes aus. Im zweiten Quartal allein erreicht das Auslandsgeschäft 471.091 Einheiten, ein Zuwachs von 82,46 Prozent im Jahresvergleich und 46,68 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Wang Chuanfu zeigt sich zuversichtlich, das Jahresziel von 1,5 Millionen Auslandsverkäufen zu übertreffen.

Der Trend setzt sich auch im Juli fort: Die Verkäufe steigen dort um 21,76 Prozent auf 419.211 Einheiten, der dritte Wachstumsmonat in Folge. Die Auslandsverkäufe von Pkw und Pick-ups erreichen im Juli mit 179.841 Einheiten einen Rekordwert, ein Plus von 124,3 Prozent und rund 43 Prozent des Monatsabsatzes.

Auch die Premiummarken des Konzerns entwickeln sich positiv. Denza, Fang Cheng Bao und Yangwang kommen zusammen auf rund 228.000 verkaufte Einheiten, ein Plus von 61 Prozent, und erhöhen ihren Anteil am Pkw-Absatz auf 12,6 bis 12,8 Prozent, je nach Berechnungsgrundlage der Quellen.

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  • Denza B8
  • Yangwang U8
  • Yangwang U8

Fazit

BYD kompensiert die eigene Batterieknappheit mit seiner aggressiven Exportstrategie. Allerdings kann das den Rückgang im Heimatmarkt nur teilweise auffangen. Die Inlandsverkäufe von rund 1,11 Millionen Einheiten im ersten Halbjahr liegen nur noch knapp über den etwa 950.000 Einheiten, die Geely Auto inklusive Verbrennerfahrzeugen im selben Zeitraum in China absetzt. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte Geely den bisherigen Branchenprimus auf dem heimischen Markt noch in diesem Jahr überholen.

BYDs Position als größter chinesischer Autobauer hängt damit zunehmend von der Auslandsnachfrage und dem Tempo ab, in dem sich die Blade-Battery-Fertigung der zweiten Generation stabilisiert. Doch Gründer und CEO Wang Chuanfu dürfte seinen Traum kaum aufgegeben haben. Er will BYD zum weltweit größten Autohersteller machen.

  • Einfahrt zur BYD-Zentrale in Shenzhen
  • BYD Zentrale Eingang in Shenzhen
  • Satelliten-Blick mit Apple Karten auf das Hexagon-Gebäude in Shenzhen
  • Blick mit Apple Karten auf die Baustelle der neuen BYD Zentrale in Shenzhen, hier sollen 60.000 Menschen Platz finden.
  • Modell der beiden Firmenzentralen: oben das bisherige Hexagon, unten der Kreis mit Anbauten
Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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