Tesla Robotaxi: Fernbedienung endet am Baumstumpf

Tesla Model Y

Tesla meldet der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA vier neue Unfälle seines Robotaxi-Dienstes. Der brisanteste Fall stammt aus Houston: Dort steuert ein Teleoperator ein festgefahrenes Model Y aus einer Sackgasse und fährt es dabei gegen einen Baumstumpf.

Es ist bereits die dritte gemeldete Kollision, die ein menschlicher Fernfahrer verursacht. Die Häufung wirft Fragen zur Reife des Systems auf und zeigt, wie stark Teslas autonomer Fahrdienst noch von menschlicher Hilfe abhängt.

Fahrt endet am Baumstumpf

Der Vorfall ereignete sich laut Meldung 13781-15395 im Mai in Houston. Das Model Y steht in einer Sackgasse in einem Wohngebiet und kommt allein nicht weiter. Ein Mitarbeiter in einer Tesla-Leitstelle übernimmt die Steuerung aus der Ferne, lenkt das Fahrzeug auf eine Grasböschung und kollidiert dort mit einem verdeckten Hindernis. In Teslas eigener Unfallschilderung heißt es, das Fahrzeug „made contact with a hidden tree stump“, so Tesla in der NHTSA-Meldung.

Der Sachschaden bleibt gering. Das Fahrzeug rollt mit rund 3 km/h, es gibt keine Verletzten, keine Airbag-Auslösung und keinen Abschleppvorgang. Bemerkenswert ist ein Detail im Datensatz: Tesla trägt als Fahrertyp erstmals „Remote (Commercial / Test)“ ein. In allen 22 bisherigen ADS-Unfallmeldungen des Konzerns blieb dieses Feld leer oder nannte einen Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Tesla dokumentiert damit gegenüber der Bundesbehörde offiziell, dass eine Person an einem anderen Ort das Auto fuhr, als es zum Unfall kam.

Drittes Mal: Mensch übernimmt, Mensch kollidiert

Houston ist kein Einzelfall. Zwei ähnliche Vorfälle wurden erst bekannt, nachdem Tesla im Mai 2026 die zuvor geschwärzten Unfallberichte offenlegte. Im Juli 2025 fordert ein Sicherheitsbegleiter Unterstützung an, weil das autonome System nicht weiterfährt. Der Teleoperator beschleunigt, biegt links ab und setzt das Fahrzeug mit rund 13 km/h über einen Bordstein in einen Metallzaun. Im Januar 2026 übernimmt erneut ein Fernfahrer nach einer Navigationsanfrage und kollidiert mit rund 14 km/h mit einer temporären Baustellenabsperrung.

Das Muster ist in allen drei Fällen identisch: Das autonome System bleibt stecken, ein Mensch greift aus der Ferne ein, und der Mensch verursacht die Kollision. Wie oft Teleoperatoren insgesamt eingreifen, legt Tesla nicht offen. Eine Fehlerquote lässt sich daher nicht berechnen. Auffällig bleibt: Jede dokumentierte Fernübernahme, die in den Unfallberichten auftaucht, endet mit einem Schaden.

Waymo zieht die Grenze anders

Der Vergleich mit dem Marktführer offenbart einen grundlegenden Architekturunterschied. Waymo erklärte im Februar 2026 in einem Brief an US-Senator Ed Markey, dass seine Remote-Mitarbeiter die dynamische Fahraufgabe grundsätzlich nicht übernehmen. Sie geben lediglich Empfehlungen, die die Fahrsoftware annehmen oder verwerfen kann. Für festgefahrene Fahrzeuge existiert genau eine Ausnahme: Ein speziell geschulter Mitarbeiter kann das Auto mit fixen Lenkwinkeln und maximal 3 km/h aus einer Fahrspur bewegen. Nach eigenen Angaben hat Waymo diese Funktion außerhalb von Trainingsszenarien nie eingesetzt.

Beide Unternehmen haben also ein Werkzeug für exakt das Szenario aus Houston entwickelt. Waymo begrenzt es technisch stark und verzichtet bislang auf den Einsatz im öffentlichen Raum. Tesla lässt seine Operatoren dagegen aktiv lenken und fahren. Die Gründe für Waymos Zurückhaltung sind technischer Natur: Fernsteuerung über Mobilfunk bedeutet Latenz, eingeschränkte Situationswahrnehmung und fehlendes physisches Fahrgefühl. Genau diese Defizite dürften bei den drei Tesla-Kollisionen eine Rolle gespielt haben.

Drei weitere Unfälle in Austin und Dallas

Die aktuelle Meldungsserie umfasst drei weitere Vorfälle aus dem Zeitraum Mitte Mai bis Mitte Juni. In Austin fährt ein rückwärtsfahrender SUV auf einem Parkplatz in die Front eines wartenden Model Y. Es ist der einzige Fall mit Abschleppvorgang und einem angeschnallten Fahrgast an Bord. Pikant: Teslas Textschilderung spricht von einem stehenden Fahrzeug, das strukturierte Datenfeld derselben Meldung führt als letzte Bewegung jedoch „Backing“ auf. Der Bericht widerspricht sich damit selbst in der Frage, ob das Robotaxi rückwärts fuhr, möglicherweise um dem SUV auszuweichen.

In Dallas biegt ein Robotaxi mit rund 8 km/h in eine Parkplatzeinfahrt ein und fährt in eine dünne Metallkette, die die Zufahrt versperrt. Es ist der erste gemeldete Unfall in Dallas und zugleich eine Wiederholung: Bereits im September 2025 kollidierte ein Model Y in Austin bei einem nahezu identischen Manöver mit einer Absperrkette. Dass die Sensorik das gleiche Hindernis acht Monate später erneut übersieht, deutet auf eine ungelöste Schwäche der kamerabasierten Wahrnehmung bei dünnen Objekten hin. Der vierte Fall betrifft erneut Austin: Ein Baustellen-Lkw stoppt abrupt in einer verengten Straße und setzt rückwärts in die Front des Teslas. Zwei der vier Unfälle gehen damit auf das Konto der Unfallgegner.

Kleine Flotte, viele Meldungen

Die Zahlen gewinnen an Gewicht, wenn man die Flottengröße berücksichtigt. Nach Daten des Robotaxi Trackers betreibt Tesla in Houston lediglich drei aktive Fahrzeuge, in Dallas sieben. Beide Städte starteten erst im April 2026 mit kleinen Geofences, die seither kaum gewachsen sind. Austin kommt auf rund 16 aktive Fahrzeuge. Dass Houston und Dallas trotz ihrer Miniaturflotten jeweils einen Unfall beisteuern, spricht nicht für einen reibungslosen Betrieb. Rund einen Monat nach dem Start in Houston musste bereits eines von drei Fahrzeugen per Fernsteuerung aus einer Sackgasse geborgen werden.

Zur Einordnung gehört auch die Vorgeschichte der Transparenz. Tesla war lange der einzige Betreiber autonomer Fahrsysteme, der sämtliche Unfallschilderungen in den NHTSA-Meldungen als Geschäftsgeheimnis schwärzte, während Waymo, Zoox, Avride und May Mobility detaillierte Berichte einreichten. Erst im Mai 2026 gab der Konzern die Blockade auf. Die Offenlegung entlastete Tesla zunächst, denn die Mehrheit der Unfälle waren Auffahr- und Streifkollisionen durch unaufmerksame menschliche Fahrer, ein Muster, das auch Waymo kennt. Dieselbe Transparenz macht nun aber die Teleoperator-Problematik sichtbar.

Fazit: Abhängigkeit vom menschlichen Fahrer

Die neuen NHTSA-Daten verschieben die Debatte. Nicht die Schwere der Schäden ist das Problem, sondern die Abhängigkeit des Systems von menschlichen Fernfahrern und deren Fehleranfälligkeit. Solange Teslas Robotaxis regelmäßig festfahren und Teleoperatoren beim Bergen Hindernisse übersehen, bleibt der Abstand zu Waymo strukturell. Der Marktführer hat die Fernsteuerung bewusst auf ein Minimum reduziert, Tesla nutzt sie als operatives Werkzeug. Für das Versprechen, Millionen Kundenfahrzeuge unbeaufsichtigt fahren zu lassen, muss die Interventionsrate drastisch sinken. Davon ist Tesla noch ein gutes Stück entfernt.

Bild von Michael Schröder

Michael Schröder

Michael in ein Hypermiler. Er will immer noch einen Kilometer mehr aus der Batterie herausbekommen. Effizienz zählt für ihm am meisten beim Elektroauto. Angst liegen zu bleiben ,verspürt er nicht, selbst wenn die Null in der Reichweitenanzeige auftaucht.

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