Der sächsische Hersteller ARI Motors senkt den Einstiegspreis für sein Elektroauto Bruni um 3.000 Euro auf 9.990 Euro netto. Zusammen mit der staatlichen E-Auto-Förderung rückt der Stadtkleinwagen in Preisregionen, die bisher Kleinkrafträdern vorbehalten waren. Doch was steckt hinter dem Versprechen des günstigsten Neuwagens auf dem deutschen E-Auto-Markt?
3,07 Meter lang und 215 Kilometer Reichweite
Der ARI Bruni ist mit 3,07 Metern Länge ein Stadtauto. Technisch setzt ARI auf einen LiFePO4-Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit 17,3 kWh Kapazität und gibt eine WLTP-Reichweite von bis zu 215 Kilometern an. Der Verbrauch liegt laut Hersteller bei 9,9 kWh auf 100 Kilometer, was Betriebskosten von rund drei Euro je 100 Kilometer entspricht.

Airbags & ABS
Zur Serienausstattung gehören Airbags, ABS, ein Touchscreen-Cockpit mit Rückfahrkamera, elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung. Vier Varianten stehen zur Wahl: Pure, Style, Cargo und Comfort. Mit seiner M1-Zulassung qualifiziert sich der Bruni für die staatliche E-Auto-Förderung von bis zu 6.000 Euro. Nach Abzug der Prämie beginnt der effektive Kaufpreis bei knapp unter 4.000 Euro netto.
„Elektromobilität scheitert selten an der Technik, sondern am Preis. Genau da setzen wir an. Ein neues Elektroauto für unter 10.000 Euro netto und ein vollwertiger E-Transporter mit 850 Kilogramm Nutzlast zum Preis eines gebrauchten Diesels: Damit wird der Umstieg für viele erstmals zur reinen Vernunftentscheidung", sagt Thomas Kuwatsch, Mitgründer und CFO von ARI Motors

ARI 458 Pro: Günstigster E-Kleintransporter am Markt
Neben dem Bruni positioniert ARI Motors den 458 Pro als preisgünstigste Alternative im Nutzfahrzeugbereich. Die Pritschenversion startet bei 15.790 Euro netto. Das Fahrzeug bietet 800 Kilogramm Nutzlast, 2,8 Quadratmeter Ladefläche und je nach Akkuvariante 120 bis 230 Kilometer Reichweite. Geladen wird an der Haushaltssteckdose in vier bis sechs Stunden, die Energiekosten liegen bei rund vier Euro je 100 Kilometer.
Besonders hervorzuheben ist die Aufbauvielfalt: Über 30 Varianten stehen zur Wahl, darunter Kipper, Kofferaufbau, Kühl- und Tiefkühlkoffer sowie Foodtrucks. Für Aufsehen sorgt ein kompaktes Alkoven-Campingmobil auf 458-Pro-Basis, dessen Nachfrage laut ARI Motors die internen Erwartungen deutlich übertrifft. „Das Interesse am Alkoven-Camper hat uns selbst überrascht. Offenbar suchen viele Menschen genau das: minimalistisches Reisen, elektrisch, zu einem Preis, bei dem klassische Wohnmobile nicht mithalten können", sagt Kuwatsch.
Förderung, Steuervorteile und THG-Quote
Die Gesamtkostenrechnung fällt für Käufer günstiger aus als der Listenpreis vermuten lässt. Neben der E-Auto-Förderung von bis zu 6.000 Euro entfällt die Kfz-Steuer bis 2035, und über die THG-Quote können Fahrer jährlich mehr als 300 Euro einnehmen. Der Bruni lässt sich laut ARI Motors ab 165 Euro im Jahr versichern. Für Gewerbetreibende kommt die Sonderabschreibung hinzu: Bis zu 75 Prozent der Nettoanschaffungskosten können bereits im ersten Jahr steuerlich geltend gemacht werden, gültig für Anschaffungen bis Ende 2027.
Chinesische Plattform, sächsische Konfiguration
Hinter dem günstigen Preis steckt ein klares Geschäftsmodell. ARI Motors bezieht die Fahrzeugplattformen von den chinesischen Herstellern Jiayuan EV und Hudson Automotive. Die Konfiguration und Anpassung an europäische Standards erfolgt in der firmeneigenen Manufaktur im tschechischen Ricany bei Prag. Das Unternehmen selbst sitzt in Borna bei Leipzig und ist seit 2017 am deutschen Markt aktiv.
Dieser Ansatz erklärt den Preisvorteil, wirft aber auch Fragen zur Langzeitverfügbarkeit von Ersatzteilen und zum Serviceumfang auf, die Kaufinteressenten vor der Entscheidung klären sollten. Im direkten Vergleich mit etablierten Herstellern fehlt ARI Motors noch die Flächenpräsenz im Händlernetz. Wer auf den günstigsten Einstiegspreis in die Elektromobilität setzt, findet mit dem Bruni und dem 458 Pro aber aktuell kaum ein vergleichbares Angebot auf dem deutschen Neuwagenmarkt.






