Während die Google-Tochter Waymo ihre fahrerlosen Taxidienste in US-Metropolen rasant ausbaut, mehren sich die Warnsignale von denjenigen, die Leben retten sollen. Feuerwehrleute und Polizisten berichten von einer besorgniserregenden Zunahme von Zwischenfällen: Die autonomen Fahrzeuge behindern Einsätze, ignorieren Anweisungen und scheinen laut Einsatzkräften „eher schlechter als besser“ zu werden.
Von der Vision einer sichereren Straße scheint San Francisco im Moment weit entfernt zu sein – zumindest, wenn man die Protokolle der Feuerwehr (SFFD) und Polizei (SFPD) liest. Laut einer Recherche von Wired geraten die autonomen Fahrzeuge immer häufiger mit Rettungskräften aneinander. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Robotaxis blockieren Feuerwehrzufahrten, fahren über ausgerollte Löschschläuche oder bleiben mitten auf Kreuzungen stehen, während Krankenwagen mit Blaulicht verzweifelt versuchen, vorbeizukommen.
„Sie wissen nicht, was sie tun sollen“
Besonders kritisch wird die mangelnde Fähigkeit der KI bewertet, komplexe Situationen zu verstehen. „Es fühlt sich an, als würden sie schlechter werden“, zitiert der Bericht einen erfahrenen Feuerwehrmann. Während menschliche Fahrer auf Handzeichen von Polizisten reagieren oder intuitiv Platz machen, wenn ein Löschzug herannaht, wirken die Waymo-Autos oft wie „gelähmt“.
In einem dokumentierten Fall blockierte ein Waymo ein Einsatzfahrzeug so massiv, dass die Feuerwehrleute gezwungen waren, das Fahrzeug manuell anzuhalten und den Support zu kontaktieren – kostbare Minuten, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden können. Ein anderes Mal ignorierte ein Robotaxi die Absperrbänder an einer Brandstelle und fuhr direkt in die Gefahrenzone.
Waymo weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen selbst widerspricht der Darstellung, dass die Technologie Rückschritte mache. Waymo betont regelmäßig, dass ihre Fahrzeuge Millionen von Kilometern ohne schwere Unfälle zurückgelegt hätten und statistisch gesehen sicherer seien als menschliche Fahrer. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen und biete spezielle Trainings für Einsatzkräfte an.
Die Zunahme der Vorfälle erklärt das Unternehmen unter anderem mit der massiven Ausweitung der Flotte. Mehr Autos auf der Straße bedeuteten zwangsläufig mehr Interaktionen – auch mit Rettungsfahrzeugen. Zudem seien viele der gemeldeten Zwischenfälle laut Waymo geringfügig und führten zu keinen realen Verzögerungen.
Ein politisches Pulverfass
Die Kritik der Ersthelfer trifft Waymo zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Unternehmen drängt auf eine weitere Expansion in andere Städte wie Los Angeles und Austin. Doch der Widerstand wächst. Die Feuerwehrchefin von San Francisco, Jeanine Nicholson, hat sich bereits mehrfach öffentlich gegen die unkontrollierte Ausbreitung der Robotaxis ausgesprochen. Ihr Argument: Die Technologie sei noch nicht „reif für die Primetime“, wenn sie grundlegende Sicherheitsregeln im Notfall missachte.
Das Fazit: Vertrauen gegen Technologie
Der Fall Waymo zeigt das zentrale Dilemma der autonomen Mobilität: Während die Systeme im normalen Stadtverkehr beeindruckende Fortschritte machen, scheitern sie oft an den „Edge Cases“ – den unvorhersehbaren Ausnahmesituationen eines Blaulichteinsatzes.
Für die Bürger von San Francisco bleibt ein mulmiges Gefühl. Denn solange die Algorithmen nicht lernen, Handzeichen von Polizisten korrekt zu deuten oder den Ernst eines brennenden Gebäudes zu erkennen, bleiben die fahrerlosen Autos für die Rettungskräfte vor allem eines: ein unberechenbares Hindernis im Kampf gegen die Zeit.