Am Montag startet der Mondial de l´Auto in Paris (12. bis 18. Oktober 2026). Die Automesse in der französischen Hauptstadt erlebte nach etlichen dürren Jahren 2024 eine Auffrischung durch chinesische Autohersterller. Das hat die französischen Autohersteller wachgerüttelt – nun kommt es zu einer Renaissance. Renault und die französischen Stellantis-Marken sind mit großen Ständen vertreten. Die Zahl der Hersteller steigt und es gibt sogar etliche Premieren in Paris.
Renault: 50 Fahrzeuge und sechs Publikumspremieren
Die Renault Group zeigt mit ihren Marken Renault, Dacia und Alpine insgesamt 50 Fahrzeuge sowie Concept Cars – darunter sechs Publikumspremieren. Die wichtigste technische Nachricht betrifft die Batterien. Renault stellt das gesamte E-Tech-Portfolio schrittweise auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) um. Der Twingo erhält 27,5 kWh, der Renault 5 37 kWh, Megane und Scénic 67 kWh. LFP-Zellen sind günstiger und langlebiger als Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, bieten aber eine geringere Energiedichte.
Der überarbeitete Megane E-Tech Electric ist das erste Modell mit der neuen 67-kWh-LFP-Batterie. Renault nennt eine Reichweite von knapp 500 Kilometern und einen Verbrauch von 15,4 bis 16,5 kWh/100 km. Die DC-Ladeleistung steigt um 25 Prozent. Von 15 auf 80 Prozent lädt der Megane in 24 Minuten. Dazu kommen ein neues Außendesign, ein Fahrmodus „Smart“ und der KI-Assistent Google Gemini.
Der Twingo E-Tech Electric erhält ein Glasdach namens „Twingobay“ mit 0,7 Quadratmetern Fläche. Es kostet in Deutschland 600 Euro Aufpreis und ist ab 13. Oktober bestellbar. Der elektrische Trafic, frisch gewählter „Van of the Year 2027“, steht ebenfalls in Paris. Er ist für Deutschland noch nicht homologiert.
Das spektakulärste Exponat ist der Renault 5 Turbo 3E als seriennaher Prototyp. Zwei Radnabenmotoren an der Hinterachse leisten je 204 kW, zusammen 555 PS. Renault nennt ein Drehmoment von 4.800 Nm. Der Wert dürfte sich auf das Raddrehmoment beziehen und ist mit üblichen Motorangaben nicht vergleichbar. Laut Renault ist der Turbo 3E der stärkste Renault mit Straßenzulassung. Daten zu Batterie, Gewicht und Preis fehlen.
Drei Konzeptfahrzeuge ergänzen den Stand. Der E-Space Concept feiert Weltpremiere und knüpft mit 4,70 Metern Länge an den ersten Espace von 1984 an. Der Renault 8 Gordini Concept ist ein zweisitziges Elektro-Coupé. Der Renault 4 JP4x4 Concept mit Allradantrieb war bereits bei den French Open 2026 zu sehen. Zu Antrieb und Serienplänen der Studien macht Renault keine Angaben. Die Sonderedition Rafale „Hypnotic“ auf Basis des 300-PS-Plug-in-Hybrids rundet das Programm ab.
Dacia: Neuer Spring unter 18.000 Euro, Striker unter 25.000 Euro
Dacia bringt zwei Weltpremieren nach Paris. Die zweite Generation des Spring wird künftig in Europa produziert. Der Einstiegspreis soll unter 18.000 Euro liegen. Der Spring bildet laut Dacia den Auftakt einer Elektrofamilie, die bis 2030 wachsen soll. Technische Daten zu Batterie, Leistung und Reichweite nennt Dacia noch nicht.
Die zweite Premiere ist der Striker, ein Crossover für das C-Segment unterhalb des Bigster. Er kommt mit Hybrid-, Tribrid- und Autogasantrieb für unter 25.000 Euro. Eine elektrische Version ist nicht vorgesehen.
Daneben erweitert Dacia das Antriebsangebot. Sandero, Sandero Stepway und Jogger erhalten den neuen Hybridantrieb „hybrid 155“. Damit gibt es jede Dacia-Baureihe, die nicht rein elektrisch fährt, auch als Hybrid. Duster und Bigster zeigt Dacia mit dem neuen Allradantrieb Tribrid 150 4×4.
Alpine: PS1 und der Ausblick auf die neue A110
Alpine enthüllt das Konzeptfahrzeug PS1. Das Kürzel steht für Projet Spécial 1. Die Studie gehört zum Bereich der Sonderprojekte in Alpines dreiteiliger Produktstrategie. Bislang hat Alpine nur einen Scheinwerfer gezeigt.
Die dritte Generation des A110 kommt demnächst als E-Auto. Doch als fertiges Fahrzeug wird man den Sportwagen in Paris nicht zu sehen bekommen. Der Hersteller zeigt eine Skulptur, die das Design zeigt. Die A110. Sie basiert auf der neuen Alpine Performance Platform (APP). Als Inspiration nennt Alpine die Concorde. Daneben stehen die Sonderserie A290 Collection, die in Deutschland noch nicht homologiert ist, und neue Farben sowie Ausstattungen für die A390, darunter die A390 GTS in mattem „Bleu Tempête“. Nach Herstellerangaben ist die A290 das meistverkaufte Modell der Marke.
Skoda: Epiq Sportline und das erweiterte E-Portfolio
Die Tschechen zeigen insgesamt 15 Fahrzeuge. Im Mittelpunkt steht der Skoda Epiq Sportline, eine sportlich gestaltete Ausstattungsvariante des elektrischen City-SUV. Daneben steht der Peaq als neues elektrisches Flaggschiff. Für Epiq und Peaq meldet Skoda zusammen mehr als 70.000 Bestellungen. Paris ist der erste große Messeauftritt für beide Modelle. Hinzu kommen das Peaq „Red Car“ der Tour de France und der Rennwagen Skoda 130 RS zum 125-jährigen Jubiläum von Skoda Motorsport.
Stellantis: Sechs Marken, kaum Serienneuheiten, wiederbelebte Ente
Stellantis schickt sechs Marken nach Paris. Die meisten Premieren sind Konzeptfahrzeuge oder Sondermodelle. Opel zeigt als Weltpremiere den STX Concept. Das Kürzel steht für „Sports Tourer eXperimental“. Opel-Chef Florian Huettl beschreibt die Studie als Vision für das künftige Kombi-Design. Vielleicht ein Wink in Richtung Astra. Ergänzend inszeniert die Marke ihre sportliche GSE-Modellreihe.
Citroën bringt zwei Konzeptfahrzeuge auf den Stand. Eines greift den Geist des 2CV auf und soll Elektromobilität „einfacher, zugänglicher, menschlicher und begehrenswerter“ machen. Hier hat man gesehen, welche Erfolge Renault mit den Neuauflagen von R4, R5 und Twingo feiert, so dass die Ente neu aufgelegt wird.
Das zweite hält die Marke bis zur Enthüllung geheim. Dazu kommen das Showcar C3 Aircross Marine Nationale Concept, eine neue Ausstattungslinie „Outdoor“ für Ami, C3 und C3 Aircross sowie der C5 Aircross Emeraude. Außerdem zeigt Citroën den Formel-E-Rennwagen der vierten Generation, der in Saison 13 startet.
DS Automobiles stellt den neuen DS N°7 als Flaggschiff vor. Besucher können ihn während der Messe Probe fahren. Dazu kommt ein Konzeptfahrzeug, das die künftige Designsprache der Marke zeigt. Das übrige Programm umfasst den elektrischen DS N°8, den DS N°4 und das Sondermodell DS 3 Maison Sarah Lavoine.
Alfa Romeo enthüllt das Konzeptfahrzeug Cuorerosso. Der Name verbindet die italienischen Wörter für Herz und Rot. Über Technik, Antrieb oder Serienpläne verrät Alfa Romeo noch nichts.
Lancia zeigt den neuen Gamma erstmals auf einer internationalen Messe. Der Fastback-Crossover für das C-Segment läuft im Stellantis-Werk Melfi vom Band. An der Spitze der Baureihe steht der Gamma HF Integrale mit zwei Elektromotoren und Allradantrieb. Leistungsdaten fehlen. Für deutsche Leser bleibt der Gamma ohnehin theoretisch: Lancia verkauft derzeit keine Fahrzeuge in Deutschland, eine Rückkehr ist nicht terminiert.
Jeep bringt keine Neuheit mit, sondern eine Strategie. Bis 2030 soll die Modellpalette in Europa auf sechs Modelle wachsen.
Smart #2
Das Gemeinschaftsunternehmen von Geely und Mercedes-Benz zeigt in Paris die Neuauflage des Kleinen Zweisitzers. Der Smart #2 ist ein E-Auto und knüpft an die Tradition des Fortwo an.
Chery: Omoda 4 und Omoda 5
Präzise Daten liefern Omoda & Jaecoo, die Europamarken des chinesischen Chery-Konzerns. Bei ihrem ersten Auftritt in Paris zeigen sie zwei Premieren. Der neue Omoda 4 ist ein urbaner Crossover für das B-Segment. Chery hat ihn maßgeblich im europäischen Entwicklungszentrum in Raunheim bei Frankfurt entwickelt. Er misst 4,42 Meter in der Länge, der Radstand beträgt 2,63 Meter, der Kofferraum fasst etwa 400 Liter. Basis ist die T1X-Plattform. Der Antrieb kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 143 PS, einen 150-kW-Elektromotor, ein eingängiges Hybridgetriebe und eine 1,83-kWh-Batterie. Die Systemleistung liegt bei 165 kW (224 PS), das Drehmoment bei 295 Nm. Eine rein elektrische Variante erwähnt Chery nicht.
Der Omoda 5 erhält ein Facelift und wächst um zehn Zentimeter auf 4,54 Meter. Das Interieur ist komplett neu, in der Mitte sitzt ein 15,6-Zoll-Touchscreen. Den Antrieb übernimmt er vom Omoda 4. Laut Hersteller hat sich das Modell seit Ende 2022 fast eine halbe Million Mal in 60 Ländern verkauft.
Lynk & Co: 07 GT in chinesischer Spezifikation
Die Geely-Marke Lynk & Co ist ebenfalls zum ersten Mal in Paris. Sie zeigt den 07 GT als Europapremiere, allerdings in chinesischer Spezifikation. Das Modell wurde im Juni 2026 in China vorgestellt. Eine europäische Version soll später mit angepasster Technik und Ausstattung folgen. Daten nennt Lynk & Co nicht. Daneben stehen die Plug-in-Hybride 01 und 08 sowie der elektrische 02.
Deutsche Autohersteller
Volkswagen ist vertreten, Audi zeigt seinen A2 e-tron. BMW und Mini haben für dieses Jahr abgesagt. Dafür ist Mercedes-Benz in Paris mit dabei.
Fazit
Während 2024 neun chinesische Autohersteller auf der Messe waren, kommen in diesem Jahr rund 20. Das zeigt das Engagement in Europa. Somit wird die Paris Motor Show in diesem Jahr zu einem wichtigen Gradmesser für die Autoindustrie. Etliche etablierte Autohersteller wie Hyundai, Ford, Volvo, Toyota, Honda, Fiat und Lancia kommen in diesem Jahr zurück. Die Zahl der Hersteller steigt von 48 bei der letzten Ausgabe auf mehr als 60 in diesem Jahr.
Quellen:
- Les exposants – Mondial de l’Auto 2026
- Le plan détaillé du Mondial de l’Auto 2026 (Journal de l’Automobile)
- Mondial de Paris 2026 : un salon automobile qui s’annonce XXL (Simplicicar)
- 2026 Paris Motor Show (Wikipedia)
- Comment le Mondial de Paris revient en grâce (Journal de l’Automobile, 2024)
- Mondial de l’Automobile de Paris 2024 : duel entre français, allemands et chinois (Motor1)
- CP Bilan Mondial 2024 (PDF)
- 2024 Paris Motor Show (Wikipedia)


