Das finnische Start-up Donut Lab elektrisierte auf der CES 2026 die Fachwelt mit der Ankündigung einer revolutionären Feststoff-Natrium-Ionen-Batterie. Die versprochenen Leistungsdaten klangen wie ein Paradigmenwechsel für die Elektromobilität. Doch nun verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei dem vermeintlichen Durchbruch um eine konventionelle Lithium-Ionen-Technologie handeln könnte. Eine detaillierte Recherche von Ryan Hughes legt im Youtube-Video seines Kanals Ziroth nahe, dass Investoren und Öffentlichkeit getäuscht wurden.

Die Versprechen von der CES 2026
Die Ankündigung von Donut Lab auf der Elektronikmesse in Las Vegas zu Beginn des Jahres 2026 las sich beeindruckend: Eine Feststoff-Natrium-Ionen-Batterie mit einer Energiedichte von 400 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg). Sie sollte 100.000 Ladezyklen überstehen, in nur fünf Minuten vollständig aufladbar sein und gänzlich ohne kritische Rohstoffe wie Lithium auskommen und auch noch günstiger sein. Auf Nachfrage wurde ein C-Wert von 11 kommuniziert. Also sollte die Batterie einen Faktor von 11 bei der Ladleistung in Bezug auf die Batteriekapazität haben. Diese Werte stellten etablierte Technologien in den Schatten und sorgten für Euphorie. Zwar legte das Unternehmen in der Folgezeit von unabhängigen Instituten erhobene Messdaten vor, veröffentlichte diese jedoch nur auszugsweise. Jeder Datensatz bestätigte stets nur einzelne Teilaspekte der Technologie, nie das Gesamtbild.

Technische Analyse entlarvt Widersprüche
Der Batterieanalyst Ryan Hughes hat die verfügbaren Daten einer tiefgehenden Prüfung unterzogen. In Zusammenarbeit mit über 20 unabhängigen Batterieexperten, darunter Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts und der Justus-Liebig-Universität Gießen, kommt er zu einem eindeutigen Ergebnis: Die präsentierte Zelle ist keine Natrium-Ionen-Festkörperbatterie, sondern ein gewöhnlicher Lithium-Ionen-Akku.
Die Experten stützen ihre Schlussfolgerung auf zwei zentrale technische Befunde. Erstens stimmen die von der finnischen Forschungsorganisation VTT gemessenen Spannungskurven exakt mit denen einer nickelbasierten Lithium-Ionen-Zelle überein. Eine Natrium-Ionen-Zelle kann die registrierte Zellspannung physikalisch nicht erreichen. Zweitens zeigen die Daten zur Zellausdehnung während des Ladevorgangs das charakteristische Verhalten einer Graphit-Anode. „Das ist von großer Bedeutung, da Natriumionen zu groß sind, um auf natürliche Weise in die Schichten von Graphit zu passen“, sagt Hughes. Es müsse sich folglich um eine Lithium-Ionen-Zelle handeln. „Das ist vernichtend für Donut Lab“, so der Analyst. Auch die Energiedichte liegt der Analyse zufolge mit rund 298 Wh/kg deutlich unter dem versprochenen Wert von 400 Wh/kg.

Spur führt nach Deutschland
Die Recherchen von Hughes legen nahe, dass die Technologie von einem deutschen Unternehmen stammt: der CT-Coating aus Königswinter. Diese Firma soll als Technologielieferant fungiert haben, während Donut Lab für die Vermarktung zuständig war. Ein Experte des Fraunhofer-Instituts, der nach eigenen Angaben Vertreter von CT-Coating getroffen hat, zeigte sich von deren Fachwissen wenig überzeugt. „Mein erster Eindruck war, dass diese Leute keine Ahnung haben, wie eine Batterie eigentlich funktioniert“, sagt der Fraunhofer-Experte. „Sie sprachen davon, dass ihre Batterien keine Seltenerdmetalle und daher auch kein Lithium enthielten, doch jeder Chemiker weiß, dass Lithium nichts mit Seltenerdmetallen zu tun hat.“ Die Website von CT-Coating selbst gibt keine Auskunft über die Technologie und diene „lediglich als Medium zur Kontaktaufnahme“.

Crowdfunding und eine Milliardenbewertung
Die Vorwürfe wiegen schwer, da Donut Lab sein Kapital nicht von großen Risikokapitalgebern, sondern von 1.300 Kleinanlegern über eine Crowdfunding-Plattform einsammelte. Nach der Ankündigung auf der CES stieg die Bewertung des Unternehmens von 250 Millionen auf 1,25 Milliarden US-Dollar. Donut Lab ging aus einer Restrukturierung des finanziell angeschlagenen estnischen Motorrad-Herstellers Verge Motorcycles hervor. Verge behauptete sogar, ein Elektromotorrad mit dem angeblichen Festkörperakku bereits in Serie zu produzieren und auszuliefern. Eine Darstellung, die sich laut Hughes ebenfalls als falsch erweist.
Offizielle Ermittlungen und erste Eingeständnisse
Inzwischen hat Donut-Lab-Geschäftsführer Marko Lehtimäki in einem Interview eingeräumt, dass die beworbenen 400-Wh/kg-Zellen nicht in den Motorrädern verbaut werden. Die finnische Finanzaufsicht sowie Strafverfolgungsbehörden haben Berichten zufolge Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen. Der Fall Donut Lab entwickelt sich zu einem Skandal, der die Branche aufhorchen lässt.

Fazit: Ein mahnendes Beispiel
Die Diskrepanz zwischen den Versprechen von Donut Lab und den Ergebnissen der technischen Analyse wirft einen dunklen Schatten auf das finnische Start-up. Die vorgelegten Beweise sind stichhaltig und deuten auf eine Täuschung hin. Während echte Festkörperbatterien von Unternehmen wie QuantumScape, Factorial oder Solid Power noch weit von der Massenproduktion entfernt sind, zeigt der Fall Donut Lab, wie der Hype um die nächste Batterierevolution unrealistische Erwartungen schürt. Für über 1.300 Kleinanleger könnte der Traum vom schnellen Gewinn in einem finanziellen Desaster enden.
Quellen: Electrek, Golem, YLE (finnisch)