Ein Video aus China zeigt einen BYD Fang Cheng Bao Bao 8 (in Europa ein Denza B8), der mit angelegter Parkkralle aus einer Parklücke fährt. Das linke Vorderrad hängt in der Luft, das SUV rollt auf den übrigen drei Rädern. Möglich macht das die hydraulische Federung DiSus-P Ultra. BYD hat die Funktion für langsame Notmanöver im Gelände entwickelt. Der Clip zeigt, wie schnell sich eine Fahrwerksfunktion zweckentfremden lässt.
Was das Video zeigt
Die Aufnahmen kursiert laut CarNewsChina auf der chinesischen Plattform Douyin. Sie zeigen den Bao 8 auf einer zweispurigen Geschäftsstraße in Jinshan, einem Ort im Stadtgebiet von Lianyungang in der Provinz Jiangsu. Am angehobenen linken Vorderrad sitzt eine gelb-rote Parkkralle aus Metall.
Unabhängig verifiziert ist das Video nicht. Eine Geschwindigkeitsangabe fehlt ebenso wie eine Information darüber, ob die Behörden den Fahrer ermittelt oder bestraft haben.

Die Technik hinter dem Trick
DiSus-P Ultra ist BYDs hydraulisches System zur Karosseriesteuerung. Es regelt jedes Rad einzeln. Laut Herstellerangaben bietet es bis zu 200 mm Verstellweg der Federung und hebt ein einzelnes Rad um bis zu 300 mm an. Die maximale Hubkraft liegt bei 9 Tonnen, das entspricht rund 88,3 kN.
BYD nennt drei Kernfunktionen: das Freikommen aus festgefahrenen Situationen durch gezieltes Anheben einzelner Räder, den Reifenwechsel ohne Wagenheber und das Fahren auf drei Rädern. Den Hubvorgang soll das System in unter einer Minute erledigen. Bei Vorführungen dauerte ein kompletter Reifenwechsel 1 Minute und 56 Sekunden.
Für den Dreiradmodus gibt BYD eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h an. Der Hersteller beschreibt ihn als Hilfe für Notsituationen bei niedrigem Tempo und zum Überwinden von Hindernissen.
Die Parkkralle verhindert lediglich, dass sich das Rad dreht. Hebt das Fahrwerk das blockierte Rad vom Boden, verliert die Kralle ihre Wirkung. Physikalisch hat das Konsequenzen: Bremskraft und Seitenführung lasten nur noch auf drei Reifen. Ist das linke Vorderrad angehoben, lenkt das Fahrzeug allein über das rechte Vorderrad. Für ein SUV dieser Gewichtsklasse im Stadtverkehr ist das ein deutlicher Verlust an Fahrstabilität.
Rechtliche Lage und offene Fragen an BYD
Artikel 21 des chinesischen Straßenverkehrssicherheitsgesetzes regelt die Sicherheitsanforderungen an Fahrzeuge und untersagt den Betrieb von Kraftfahrzeugen mit Sicherheitsmängeln. Ob die gezeigte Fahrt einen konkreten Verstoß darstellt, lässt sich aus dem Video nicht ableiten.
Der Fall wirft dennoch Fragen an den Hersteller auf. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 15 km/h allein verhindert keinen Missbrauch im öffentlichen Raum. Denkbar wären zusätzliche Hürden, etwa eine Freigabe nur im Offroad-Modus, eine Abfrage über die Navigationsdaten oder eine Sperre bei erkanntem Stadtverkehr. Ob und wie BYD den Dreiradmodus softwareseitig absichert, ist öffentlich nicht dokumentiert. Eine Stellungnahme des Herstellers zu dem Video liegt bislang nicht vor.
Fazit
Technisch belegt das Video, dass DiSus-P Ultra im Alltag zuverlässig funktioniert. Genau darin liegt das Problem. Die Hersteller liefern sich in China einen Wettlauf um spektakuläre Fahrwerksfunktionen, die sich gut in Kurzvideos vermarkten lassen. Die Absicherung gegen Missbrauch hält mit diesem Tempo offenbar nicht Schritt. BYD, Huawei und Li Auto werden klären müssen, wo die Grenze zwischen Offroad-Werkzeug und Straßenstunt verläuft, bevor es die Behörden für sie tun.


