BMW-Modellplanung: Elektrischer BMW i1

AI generierter BMW i1

BMW stellt seine Modellpalette neu auf. Auf dem Capital Market Day 2026 kündigt der Konzern für 2028 ein elektrisches Einstiegsmodell auf Basis der neuen Klasse an, das sich vor allem an Kunden in Europa richtet. Bereits 2027 kommt das erste Modell der Marke BMW Alpina, für die USA prüft BMW ein SAV oberhalb des X7.

Gleichzeitig streicht der Hersteller Varianten: Der 2er Active Tourer erhält keinen Nachfolger. Den Rahmen setzt eine schwache Bilanz: Für 2026 erwartet BMW im Automobilsegment nur noch eine EBIT-Marge von ein bis drei Prozent.

Neue-Klasse-Technik für das Einstiegssegment

Mit Schwerpunkt Europa will BMW 2028 das volumenstarke Einstiegssegment mit einem vollelektrischen Modell der Neuen Klasse besetzen. Nach dem iX3, dem neuen i3 sowie dem X5 sowie dem 7er erreicht die Technik damit die Kompaktklasse. Allerdings verrät BMW weder Name noch Karosserieform oder Batteriekapazität. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass es ein BMW i1 wird.

Die neue Klasse nutzt die sechste Generation des BMW eDrive mit 800-Volt-Architektur und zylindrischen Rundzellen. Der iX3 50 xDrive erreicht damit laut WLTP 673 bis 805 Kilometer Reichweite. Laut den Unterlagen unterstützt das gemeinsame Batteriesystem der Generation 6 unterschiedliche Zellchemien, in der Präsentation nennt BMW NMC und LFP. Für ein Einstiegsmodell liegt eine günstigere LFP-Variante nahe. Bestätigt ist das nicht. Auch die zonale Elektrik/Elektronik-Architektur der neuen Klasse soll künftig in allen Fahrzeugsegmenten zum Einsatz kommen.

Kein Preiskampf

Der Wettbewerb ist bis 2028 nicht untätig. Mercedes bietet den CLA auf der MMA-Plattform bereits mit 800-Volt-Technik an, Volkswagen drängt mit dem ID.Polo ins günstigere Segment. BMW verweist in seinem Europa-Update selbst auf den wachsenden Marktanteil chinesischer Hersteller, deren Volumen sich zu rund 80 Prozent auf fünf Marken konzentriert, überwiegend im Basissegment. BMW will nach eigener Aussage über Marke, Technik, Händlernetz und Flottenkunden konkurrieren und nicht allein über den Preis.

Offen bleibt die Abgrenzung zu MINI. Die elektrischen Modelle Cooper E und Aceman decken das Kompaktsegment bereits ab. BMW betont, man wolle das Angebot zusammen mit der MINI-Palette stärken und die CO₂-Flottenemissionen in der EU weiter senken. 2025 lag der Konzern nach eigenen Angaben ohne Pooling 2,9 Gramm unter dem EU-Ziel.

Alpina und ein SAV über dem X7

Am oberen Ende des Portfolios setzt BMW auf Marge. Das erste Modell der Marke BMW Alpina kommt im kommenden Jahr auf den Markt. Es orientiert sich am 7er und soll die Lücke zwischen BMW und Rolls-Royce schließen. Dort konkurriert BMW vor allem mit Mercedes-Maybach. BMW M soll mit elektrischen M-Modellen weiter wachsen, der M-Anteil lag 2025 bei rund zehn Prozent des BMW-Absatzes.

Für die USA prüft BMW ein zusätzliches SAV (Sports Activity Vehicle) oberhalb des X7. Eine Entscheidung steht aus. Das Werk Spartanburg arbeitet laut BMW an der Auslastungsgrenze. Der Konzern will die SAV-Produktion deshalb stärker regionalisieren.

Der 2er Active Tourer läuft aus

Parallel dünnt BMW das Angebot aus. Der 2er Active Tourer, der letzte Van der Marke, erhält keinen Nachfolger. Welche weiteren Modelle betroffen sind, nennt BMW nicht. Klar ist die neue Logik bei den Antrieben: Verbrenner, Plug-in-Hybrid, Elektro und Wasserstoff ordnet BMW künftig je Modell und Region zu. Nicht jede Baureihe bekommt jeden Antrieb. Weitere Entscheidungen will der Vorstand bis zum Frühjahr 2027 treffen.

In China, wo der Pkw-Markt bis August 2026 um 21 Prozent geschrumpft ist, baut BMW die lokale Fertigung mit der neuen Klasse aus. Bis 2030 sollen mindestens 95 Prozent der dort verkauften Fahrzeuge lokal gefertigt und auf chinesische Kundenwünsche zugeschnitten sein. Importe beschränkt BMW auf die margenstärksten Modelle. Einen Export von in China gebauten Fahrzeugen nach Südostasien prüft der Konzern.

Fahrerassistenz: Level 2++ statt Robotaxi

Beim automatisierten Fahren setzt BMW auf Kosten und Nutzen. In China rollt mit der lokalen Variante des iX3 ein L2++-System aus, das BMW mit dem lokalen Anbieter Momenta entwickelt. In Deutschland bietet BMW 2027 mit Qualcomm eine navigationsgeführte Fahrerassistenz auf Autobahn, Landstraße und in der Stadt an. Grundlage ist die neue europäische DCAS-Regelung. Kunden der neuen Fahrzeuggeneration können die Funktionen over the air hinzubuchen.

Der Begriff Level 2++ ist keine offizielle SAE-Stufe, sondern eine Marketingkategorie. Der Fahrer bleibt jederzeit verantwortlich. Level 4 bleibt auf der Roadmap, hat laut BMW derzeit aber keinen ausreichend attraktiven Business Case. Damit grenzt sich BMW von Robotaxi-Ansätzen ab, verzichtet aber auch auf einen Technologievorsprung, den der Konzern mit dem Level-3-Personal-Pilot im 7er bereits beansprucht hatte.

KI als Kostenhebel

Künstliche Intelligenz soll Entwicklungszyklen verkürzen und Kosten senken. Agentische KI soll künftig den gesamten Entwicklungsprozess von der Anforderung bis zur Freigabe begleiten. Bei Crashsimulationen arbeitet BMW mit Mistral AI zusammen. Zudem greift BMW häufiger auf zugekaufte Standardlösungen zurück, intern als „Industry Best Offer“ bezeichnet. Die Forschungs- und Investitionsquote soll ab 2028 kumuliert unter neun Prozent des Konzernumsatzes sinken.

„Konsequent eingesetzte agentische AI-Applikationen in allen Unternehmensbereichen werden zum Gamechanger für eine agilere und effizientere Entwicklung sowie für schlankere Strukturen und schnellere Entscheidungswege“, sagt Walter Mertl, Finanzvorstand der BMW AG.

Personalabbau und neue Margenziele

Bis Mitte 2027 reduziert BMW die Zahl der Bereiche und Managementfunktionen um 20 Prozent, mit vergleichbaren Folgen für die Ebenen darunter. Für indirekte Beschäftigte in Deutschland läuft ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Ab Mitte 2027 führt BMW in Europa zudem das Agenturmodell ein, das MINI bereits in 24 Märkten nutzt.

„Unser globales Geschäftsmodell bleibt die Grundlage unseres Erfolgs. Gleichzeitig stellen wir unsere Strukturen und unsere Kostenbasis wettbewerbsfähiger auf, um dem zunehmend schärferen Wettbewerb zu begegnen, der diese Branche in den kommenden Jahren prägen wird. Dabei ist das Personalstrukturprogramm ein wichtiger Hebel“, sagt Milan Nedeljković, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG.

Die Finanzziele fallen vorsichtig aus. 2028 soll die EBIT-Marge im Automobilsegment drei bis fünf Prozent erreichen, der Free Cashflow über fünf Milliarden Euro. Den Zielkorridor von acht bis zehn Prozent peilt BMW erst für den Beginn des kommenden Jahrzehnts an. 2025 lag die Marge noch bei 5,3 Prozent.

Fazit

BMW reagiert auf Margendruck und Chinaschwäche mit einem klassischen Doppelschritt: mehr Volumen unten, mehr Marge oben, weniger Varianten dazwischen. Der elektrische Kompakte ist dabei das wichtigste Produkt, bleibt aber bislang eine Absichtserklärung ohne Daten. Bis 2028 bauen VW, Mercedes und chinesische Hersteller ihre Position in diesem Segment weiter aus. Ob die neue-Klasse-Technik in der Kompaktklasse zu einem wettbewerbsfähigen Preis funktioniert, entscheidet mit darüber, ob BMW seine Margenziele erreicht.

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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