Die Nutzung öffentlicher Ladesäulen nimmt zu, doch die Entwicklung verläuft regional unterschiedlich. Im zweiten Halbjahr 2025 wurden rund 35,8 Millionen Ladevorgänge erfasst, was einem Anstieg von etwa einem Viertel gegenüber der ersten Jahreshälfte entspricht. Eine Analyse von Elvah, einem Datenanbieter für den Elektromobilitätsmarkt, zeigt, dass dabei hochgerechnet 909 Gigawattstunden Strom geladen wurden.
Die starke Süden
Bayern etabliert sich als einer der größten Märkte für öffentliches Laden in Deutschland. Mit rund 6,8 Millionen Ladevorgängen im zweiten Halbjahr und einem überdurchschnittlichen Wert von 0,51 Ladevorgängen pro Kopf zeigt der Freistaat eine hohe Dynamik. Besonders die Infrastruktur für Schnellladepunkte wächst stark und legte innerhalb von sechs Monaten um 19,7 Prozent zu. Auch Baden-Württemberg zählt zu den wichtigen Regionen. Hier wurden 5,6 Millionen Ladevorgänge registriert, und der Bestand an Schnellladepunkten wuchs um 15,7 Prozent. Mit 0,49 Ladevorgängen pro Einwohner liegt das Bundesland nur knapp hinter Bayern.

Hamburg mit intensiver Nutzung
Nordrhein-Westfalen bleibt mit rund 7,14 Millionen registrierten Ladevorgängen das Bundesland mit den absolut meisten Ladevorgängen. Pro Kopf liegt NRW mit 0,40 Ladevorgängen leicht über dem Bundesdurchschnitt. Ein anderes Bild zeigt sich in den Stadtstaaten: Berlin liegt bei der Pro-Kopf-Nutzung im Durchschnitt, verzeichnet aber mit einem Zuwachs von 28,7 Prozent ein besonders starkes Wachstum bei den Schnellladepunkten. Hamburg weist mit 0,67 Ladevorgängen pro Einwohner die höchste Nutzung in Deutschland auf. Ein Grund hierfür dürfte die zunehmende Elektrifizierung von Taxi- und Carsharing-Flotten sein, unterstützt durch regulatorische Maßnahmen wie das Verbot für neue Taxis mit Verbrennungsmotor.
Ostdeutschland und kleinere Bundesländer holen auf
Obwohl die Nutzung öffentlicher Ladepunkte in vielen ostdeutschen Bundesländern noch unter dem westdeutschen Niveau liegt, wächst die Infrastruktur dort besonders dynamisch. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise nahm der Bestand an AC- und HPC-Ladepunkten innerhalb von sechs Monaten um rund 27 Prozent zu. Auch Sachsen-Anhalt zeigt mit einem Wachstum von 24 Prozent bei den Schnellladern eine überdurchschnittliche Entwicklung. Im Westen verzeichnen ebenfalls kleinere Bundesländer ein starkes Wachstum: Im Saarland stieg die Zahl der AC-Ladepunkte um 21,1 Prozent, die der HPC-Ladepunkte sogar um 28,2 Prozent.

Schnellladen gewinnt an Bedeutung
Das Wachstum der Infrastruktur führt erstmals zu einem messbaren Anstieg der Auslastung. Insbesondere im Schnellladesegment holen die Nutzungszahlen bundesweit auf. Im Wettbewerb der Ladesäulenbetreiber bleibt Enbw im Segment über 130 kW in 14 von 16 Bundesländern Marktführer. Aral pulse und Ionity halten ihre Positionen in der Spitzengruppe stabil. Zugewinne verzeichnen Shell recharge und die Pfalzwerke. Der Markt für das langsamere AC-Laden bleibt weiterhin stark regional geprägt und wird oft von lokalen Versorgern dominiert.
Standortqualität entscheidet über Auslastung
Mit der steigenden Zahl von E-Fahrzeugen verändert sich die Dynamik des Marktes. Die Analysen zeigen, wie wichtig regionale Gegebenheiten sind und wie entscheidend eine datenbasierte Planung für Infrastrukturbetreiber wird. Künftig geht es nicht mehr nur darum, wie viele Ladepunkte gebaut werden, sondern wie gut sie im Alltag ausgelastet sind. Laut Ceren Ahiska, Chief Product Officer bei Elvah, reicht der reine Ausbau nicht mehr aus. Faktoren wie Standortqualität, Betreiber-Effizienz und eine intelligente Preisgestaltung werden entscheidend, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern und die Infrastruktur gezielt entlang der regionalen Nachfrage zu steuern.

