Auto-Studie: Wie das Einkommen den Umstieg auf´s E-Auto bremst

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Eine Studie von AutoScout24 und LeasingMarkt.de legt die Widersprüche des deutschen Automarktes offen. Während elektrifizierte Antriebe im Neuwagen- und Leasinggeschäft an Relevanz gewinnen, bleibt der Verbrennungsmotor im volumenstarken Gebrauchtwagenmarkt die dominante Kraft. Die Analyse zeigt: Die Transformation zur Elektromobilität ist weniger eine Frage der Überzeugung als eine des Geldbeutels und der Lebensumstände.

Leasing als Treiber der Elektromobilität

Das Leasinggeschäft entwickelt sich zu einem wesentlichen Beschleuniger für die Marktdurchdringung von Elektrofahrzeugen. Die Zahlen der Civey-Studie sind eindeutig: 72,1 Prozent der Leasinginteressierten würden sich für einen Hybrid oder ein reines Elektroauto entscheiden. Nur 23,0 Prozent dieser Gruppe ziehen noch einen klassischen Verbrenner in Betracht. Der Grund liegt in den kalkulierbaren Kosten und dem entfallenden Restwertrisiko, was den Zugang zu neuer, kostenintensiver Technologie erleichtert.

Leasing eröffnet einen unkomplizierten Zugang zu neuen Antrieben und macht es leichter, neue Technologien im Alltag kennenzulernen. Gerade beim Kilometerleasing sind Laufzeit und monatliche Rate von Anfang an kalkulierbar, das Restwertrisiko trägt der Leasinggeber“, sagt Andreas Jans, Vertriebsdirektor von LeasingMarkt.de. Diese Leasingrückläufer könnten mittelfristig den entscheidenden Impuls für den elektrischen Gebrauchtwagenmarkt liefern. „Wenn diese Fahrzeuge nach Ablauf ihrer Verträge als junge Gebrauchte in den Markt kommen, wird sich die Auswahl spürbar verändern. Das kann auch das Kaufverhalten beeinflussen, weil der elektrische Gebrauchtwagen für viele Menschen dann stärker in den Blick rückt“, ergänzt Stefan Schneck, Vertriebschef Deutschland bei AutoScout24.

Gebrauchtwagenmarkt bremst die Transformation

Abseits des Leasingmarktes zeichnet sich ein anderes Bild. Hier dominiert der Verbrenner mit 58,3 Prozent die Präferenzen der Käufer. Ein Elektroauto kommt nur für 13,2 Prozent infrage. Die Ursache für diese Diskrepanz liegt vor allem im verfügbaren Nettoeinkommen. Personen mit einem Einkommen unter 1.500 Euro würden zu 60,1 Prozent einen Gebrauchtwagen wählen. In der Einkommensklasse ab 6.000 Euro entscheiden sich hingegen 57,7 Prozent für einen Neuwagen und 41,4 Prozent direkt für ein reines Elektroauto. Die Transformation zur E-Mobilität ist in Deutschland somit stark sozial geprägt.

Junge Menschen kaufen gebraucht und Verbrenner

Die Studie deckt auch Unterschiede im Entscheidungsverhalten zwischen den Geschlechtern auf. Frauen priorisieren das Thema Sicherheit (37,0 Prozent) und den Anschaffungspreis. Sie würden sich mit 48,6 Prozent häufiger für einen Gebrauchtwagen entscheiden. Männer hingegen gewichten technologischen Fortschritt (19,3 Prozent) und Reichweite stärker. Sie tendieren mit 39,3 Prozent eher zum Neuwagen und wählen mit 27,2 Prozent häufiger ein reines Elektroauto als Frauen (16,7 Prozent). Ein ähnlicher Graben zeigt sich zwischen den Altersgruppen. Junge Fahrer zwischen 18 und 29 Jahren kaufen am häufigsten gebraucht (53,1 Prozent) und bevorzugen den Verbrenner (55,0 Prozent).

Preis schlägt Umweltbewusstsein

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage entlarvt die öffentliche Debatte um nachhaltige Mobilität als abgekoppelt von der Kaufrealität. Umwelt- und Klimaschutzaspekte sind nur für 11,7 Prozent der Befragten ein entscheidender Faktor. An erster Stelle stehen mit großem Abstand der Anschaffungspreis (43,7 Prozent) und die laufenden Kosten (41,2 Prozent). Dieser Befund zieht sich durch alle Einkommens- und Altersklassen. Die Wahl des Antriebs folgt damit primär ökonomischen und praktischen Erwägungen, nicht ideologischen. Für die Hersteller bedeutet dies, dass die Akzeptanz von E-Fahrzeugen im Massenmarkt nur über wettbewerbsfähige Gesamtbetriebskosten (TCO) zu erreichen ist.

Fazit: Eine Zweiklassengesellschaft der Mobilität

Civey befragte im Auftrag von AutoScout24 und LeasingMarkt.de vom 10. bis 14. Juli 2026 2.000 Personen mit Pkw-Fahrerlaubnis im Alter von 18 bis 65 Jahren. Die Antworten liefern das Bild eines gespaltenen Marktes. Die Elektromobilität setzt sich im Premium- und Neuwagensegment durch, befeuert durch das Leasinggeschäft. Der breite, preissensible Gebrauchtwagenmarkt wird jedoch noch auf Jahre vom Verbrenner dominiert.

Die Transformation stockt an der Einkommensgrenze. Solange gebrauchte Elektrofahrzeuge nicht in ausreichender Menge und zu attraktiven Preisen verfügbar sind, bleibt die elektrische Mobilität für einen großen Teil der Bevölkerung unzugänglich. Der Erfolg der Antriebswende entscheidet sich nicht in den Konfiguratoren für teure Neuwagen, sondern auf dem Hof des Gebrauchtwagenhändlers.


Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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