Sony und Honda ziehen den Stecker bei ihrem E-Auto Afeela 1

Sony Honda Afeela auf der CES

Sony Honda Mobility (SHM) hat die Entwicklung seiner Marke Afeela eingestellt. Ein abrupter Strategiewechsel bei Honda entzieht dem Joint Venture die technologische Grundlage. Das ambitionierte Vorhaben, die Welten von Unterhaltungselektronik und Fahrzeugbau zu vereinen, ist damit vorerst gescheitert.

Abruptes Ende für Afeela 1

Die offizielle Mitteilung von SHM lässt keinen Raum für Spekulationen: Die Entwicklung und die geplante Markteinführung des Erstlingswerks Afeela 1 sowie ein bereits in Planung befindlichen zweites Modell werden vollständig eingestellt.

Das Joint Venture, das erst im September 2022 mit dem Ziel gegründet wurde, Mobilität neu zu definieren, steht damit vor einer ungewissen Zukunft. Für Kunden in Kalifornien, die bereits eine Reservierungsgebühr für den Afeels 1 entrichtet hatten, sind vollständige Rückerstattungen angekündigt. Für regelmäßige Besucher der Technikmesse CES in Las Vegas ist der Afeela 1 seit 2023 ein vertrautes Exponat.

Hondas Strategiewechsel entzieht die technische Basis

Als Hauptgrund für diesen drastischen Schritt nennt SHM eine Neubewertung der Elektrifizierungsstrategie bei Honda. Eine Neuausrichtung des japanischen Automobilherstellers hat zur Folge, dass dem Joint Venture zugesagte Technologien und Komponenten nicht mehr zur Verfügung stehen. In der Konsequenz sieht SHM „keinen gangbaren Weg mehr, die Modelle wie ursprünglich geplant auf den Markt zu bringen“.

Welche Technologien und Assets Honda konkret zurückhält, wird nicht im Detail spezifiziert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich um Kernkomponenten der Fahrzeugplattform handelt – etwa die Batterietechnologie, Antriebsstrangkomponenten oder die zugrundeliegende E/E-Architektur. Ohne diese von Honda zu liefernde automobile Basis fehlt dem Projekt das Fundament. Sony sollte die Expertise bei Sensorik, Software und Infotainment beisteuern, während Honda für die klassische Fahrzeugentwicklung und Produktion verantwortlich zeichnete.

Was Afeela werden sollte: Eine Vision auf Rädern

Afeela sollte mehr sein als nur ein weiteres Elektroauto. Das auf der CES in Las Vegas präsentierte Konzeptfahrzeug war als rollender Tech-Demonstrator konzipiert. Mit über 45 Kameras, Radar- und Ultraschallsensoren sowie einem hochauflösenden Lidar-Sensor an Bord zielte das Fahrzeug auf hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 ab.

Im Innenraum dominierte ein bildschirmfüllendes Hyperscreen-Pendant, angetrieben von Epic Games‘ Unreal Engine. Sony plante, seine Stärken aus den Bereichen Gaming (PlayStation) und Filmproduktion zu nutzen, um ein einzigartiges Infotainment-Erlebnis zu schaffen. Die Software und die Rechenleistung sollten von Qualcomms „Snapdragon Digital Chassis“ kommen. Diese Vision einer Symbiose aus Automobil und digitalem Erlebnis lässt sich ohne die Hardware-Basis von Honda nicht realisieren.

Wird auch nicht realisiert: Der Honda Saloon der 0-Serie (hier bei der CES 2024)

Japan und die Elektromobilität

Vermutlich sind die Automanager bei Honda nicht allzu sehr überrascht von der Entscheidung. Bereits vor einigen Tagen hatte der Autohersteller angekündigt, drei E-Auto-Projekte nicht weiter zu verfolgen. Das betrifft die geplante 0-Serie mit SUV und Limousine sowie den Acura RSX EV.

Den kleinen Honda E hat der Hersteller bereits nach kurzer Zeit auf dem deutschen Markt wieder aus dem Angebot genommen. Es überrascht, dass sämtliche japanischen Autohersteller keine führende Rolle bei der Elektromobilität spielen. Bei der Hybrid-Technik hatte Toyota seit Ende der 1990er Jahre mit dem Prius die Nase vorn. Doch den Sprung auf reine E-Autos hat keine der Marken elegant hinbekommen. Nissan war mit der ersten Generation des Leaf sehr erfolgreich, konnte allerdings mit dem Ariya nicht daran anknüpfen. Suzuki hat in Zusammenarbeit mit Toyota erst Anfang 2026 ihr erstes E-Auto in Form des eVitaras vorgestellt.

Fazit: Wenn Konzerne nicht zusammenfinden

Das Ende von Afeela ist ein Lehrstück über Herausforderungen, wenn schnelllebige Tech-Welt auf kapitalintensive und lange Entwicklungszyklen der Automobilindustrie trifft. Während Wettbewerber wie Mercedes-Benz mit dem eigenen Betriebssystem MB.OS oder chinesische Hersteller wie BYD und Xpeng die Integration von Software und Hardware vorantreiben, müssen Sony und Honda zurück an den Zeichentisch. Ob das Joint Venture SHM eine neue Aufgabe findet oder leise abgewickelt wird, bleibt abzuwarten.

Bild von Frank Schultz

Frank Schultz

ist passionierter E-Auto-Fahrer. Für ihn zählen leises und vor allem entspanntes Fahren zu den größten Vorteilen. Die Ladepausen verbringt er mit einem Blick auf die neuesten Meldungen zur Elektromobilität und postet sie hier.

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