Die Geely-Tochter Zeekr startet in Deutschland und bringt mit dem 7GT einen elektrischen Grand Tourer, der es technisch in sich hat. Das Fahrzeug setzt auf eine 800-Volt-Architektur, eine selbst entwickelte Batterie und eine Ladetechnologie, die auf dem Papier beeindruckende Werte verspricht. Mit einem Startpreis ab rund 46.000 Euro ist der Markteintritt eine direkte Kampfansage an die etablierte Konkurrenz.
800-Volt-Architektur und selbstentwickelte Batterie
Die technische Basis des Zeekr 7GT bildet die von Geely entwickelte SEA-Plattform (Sustainable Electric Architecture), eine skalierbare Architektur für diverse Elektrofahrzeuge. Das entscheidende Merkmal des 7GT ist jedoch sein 800-Volt-System, das extrem hohe Ladeleistungen ermöglichen soll. Als Energiespeicher dient die sogenannte „Golden Battery“, deren Batteriezellen Zeekr vollständig selbst entwickelt und fertigt – ein unüblicher Schritt, der die Abhängigkeit von Drittanbietern reduziert.
Die Ladeleistung soll laut Hersteller bei bis zu 480 kW in der Spitze liegen. In der Praxis an einer 360-kW-Ladesäule soll der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent Akkustand in nur elf Minuten abgeschlossen sein. Dies sind Werte, die, sollten sie sich in unabhängigen Tests bestätigen, die Messlatte im Wettbewerb deutlich nach oben verschieben würden.
Der 7GT wird mit Batteriekapazitäten von 75 kWh oder 100 kWh angeboten. Für den Vortrieb sorgt ein intelligentes Allradsystem (iAWD), das in weniger als 400 Millisekunden zwischen Heck- und Allradantrieb wechseln kann. Die Allrad-Topversion beschleunigt in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 210 km/h abgeregelt.
Europäischer Anspruch trifft auf physische Tasten
Der Zeekr 7GT wurde im europäischen Designzentrum der Marke in Göteborg, Schweden, entworfen. Mit einer Länge von 4,82 Metern positioniert sich der Sportback klar in der Mittelklasse. Die Designphilosophie „Hidden Energy“ setzt auf reduzierte Linien und bündige Flächen. Als charakteristisches Merkmal dient ein durchgehendes, personalisierbares Lichtband an der Front.
Im Innenraum kombiniert Zeekr digitale Anzeigen mit physischen Bedienelementen. Während ein 35,5 Zoll großes Augmented-Reality-Head-up-Display und ein 13-Zoll-Kombiinstrument die Fahrinformationen bereitstellen, setzt die Marke im Mitteltunnel und am Lenkrad bewusst auf analoge Tasten und Regler. Dieser Ansatz könnte bei Fahrern Anklang finden, die eine rein bildschirmbasierte Bedienung als ablenkend empfinden. „Dieses Fahrzeug wurde in Europa entworfen – für Europa. Es ist der Beweis, dass Zeekr nicht nur ein Newcomer ist, sondern eine Marke, die bleibt“, sagt Stefan Sielaff, VP Design bei Zeekr. Als Software Defined Vehicle soll der 7GT zudem durch regelmäßige Over-the-Air-Updates funktional erweitert werden.
Strategischer Angriff auf den deutschen Premium-Markt
Mit dem Deutschlandstart des 7GT will Zeekr gezielt im Premium-Segment Fuß fassen. Die Preisgestaltung ist dabei aggressiv: Das Basismodell mit Heckantrieb startet bei 45.990 Euro, die Allradversion „Privilege AWD“ bei 57.490 Euro. Anders als bei vielen deutschen Herstellern verzichtet Zeekr auf lange Aufpreislisten und bietet bereits in der Serie eine umfangreiche Ausstattung. Eine Garantie von zehn Jahren soll das Vertrauen in die Langlebigkeit der Technik unterstreichen.
„Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt mit den anspruchsvollsten Kunden Europas. Unsere Haltung, ein emotionales Premium-Produkt- und Fahrerlebnis, sowie beste Preis-Leistung zu bieten, trifft das Herz und die Erwartungshaltung deutscher Premium-Kunden“, erklärt Lothar Schupet, Acting CEO von Zeekr Europe. Die ersten Fahrzeuge sollen im zweiten Quartal 2026 an Kunden ausgeliefert werden.
Fazit
Auf dem Datenblatt liefert der Zeekr 7GT eine beeindruckende Vorstellung. Die Kombination aus einer 800-Volt-Architektur, einer potenziell extrem schnellen Ladetechnologie und einer wettbewerbsfähigen Preisgestaltung macht ihn zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für Modelle wie das Tesla Model 3, den Polestar 4 oder auch den kommenden Audi A6 e-tron.
Die Entscheidung für physische Bedienelemente im Cockpit zeigt zudem, dass die Marke die Wünsche europäischer Kunden verstanden hat. Entscheidend wird nun sein, ob das Fahrzeug die hohen technischen Versprechen auch im realen Fahrbetrieb halten kann.
Der chinesische Autokonzern Geely ist bereits mit Volvo, Polestar, Lynk & Co, Lotus und LEVC auf dem europäischen Markt vertreten. Das Unternehmen betreibt mit Mercedes-Benz, an denen sie eine zehn-prozentige Beteiligung halten, gemeinsam das Joint Venture smart.