Es ist eine Kampfansage in Zahlen: Alle zwei Wochen ein neues Modell. Über 20 elektrifizierte Fahrzeuge in einem einzigen Jahr. Und vier Weltpremieren auf einen Schlag. Volkswagen macht auf der „Auto China 2026“ in Peking deutlich, dass der Konzern den chinesischen Markt nicht länger nur beobachtet – sondern ihn mitgestalten will.
Drei Jahre nach dem Start der Strategie „In China, für China“ liefert der Wolfsburger Konzern Ergebnisse. CEO Oliver Blume formulierte es knapp: „Wir entscheiden, wir handeln, wir liefern.“ Der Satz klingt nach Selbstbewusstsein – und er hat eine Grundlage. In weniger als 36 Monaten wurde ein komplett neues Fahrzeugportfolio für den wichtigsten Automarkt der Welt entwickelt.

Was die Messe zeigt
Im Mittelpunkt der Group Media Night am 21. April 2026 stehen zehn Modelle von vier Marken – darunter vier Weltpremieren, die unterschiedliche Stoßrichtungen des Konzerns illustrieren.
Volkswagen präsentiert ein zweites Modell aus der Kooperation mit Xpeng: Ein neues Mitglied der ID. UNYX-Familie, entwickelt in gerade einmal 24 Monaten. Parallel dazu feiert das erste vollelektrische Modell der ID. AURA-Reihe von FAW-Volkswagen sein Debüt – angetrieben von der intern entwickelten China Electronic Architecture (CEA), die künftig als technisches Rückgrat für weitere Modelle dienen soll.
Die Einstiegsmarke Jetta wagt sich ebenfalls in die Elektromobilität: Ein vollelektrisches Showcar markiert den Aufbruch in ein neues Segment und soll Kunden ansprechen, die bisher noch keinen Zugang zur E-Mobilität gefunden haben.
Die vierte Weltpremiere gehört der China-exklusiven Marke AUDI: Das Außendesign des E7X1 – des zweiten Serienmodells dieser Linie – wird in Peking erstmals gezeigt. Das Innenraumdesign folgt wenige Tage später auf der Messe selbst. Mit dem Modell soll das chinesische Premiumsegment weiter aufgebrochen werden. Es wird die Langversion des Audi A6 gezeigt (siehe Titelbild).
Randnotiz mit Symbolwert: Porsche zeigt ebenfalls eine Weltpremiere in Peking – ein neues Mitglied der vollelektrischen Cayenne-Familie.
KI als unsichtbarer Co-Pilot

Neben Blech und Design rückt der Konzern in Peking ein weiteres Thema in den Vordergrund: künstliche Intelligenz im Fahrzeug. Das Kompetenzzentrum Carizon stellt Fahrerassistenzsysteme auf Level 2 vor, die sowohl auf Autobahnen als auch in der Stadt ohne Eingriff des Fahrers navigieren können – einschließlich automatisierter Parkfunktionen. Die nächste Stufe, Level 3 und 4, soll über eine eigene Chip-Entwicklung (System on Chip) erreicht werden.
Die dahinterstehende Philosophie formuliert der Konzern offensiv: Das Auto der Zukunft definiere sich nicht mehr allein über sein Technik-Niveau, sondern darüber, wie gut es seinen Fahrer versteht.
Tempo als Strategie
Was in Peking sichtbar wird, ist eine industrielle Kraftanstrengung. Chinas E-Auto-Markt ist schnell, kompetitiv und gnadenlos gegenüber langsamen Entscheidern. VW hat darauf mit einer radikalen Beschleunigung der eigenen Entwicklungszyklen reagiert. Ob das ausreicht, um gegen einheimische Hersteller wie BYD, Li Auto oder Huaweis Autopartner zu bestehen, wird sich in den Verkaufszahlen zeigen – nicht auf der Messebühne.
Der Konzern selbst jedenfalls gibt sich keine Blöße: Ralf Brandstätter, CEO von Volkswagen Group China, sprach von der „größten Produkt-Offensive in China aller Zeiten“. Volkswagen hat den Ernst der Lage in China erkannt. Die vorgestellte Strategie mit lokaler Entwicklung, einer modernen E/E-Architektur und zeitgemäßer Sensorik ist technologisch schlüssig und notwendig. Die zentrale Frage bleibt jedoch die der Umsetzung. Die chinesische Konkurrenz schläft nicht und bei Kunden gilt es als angesagt, „local“ zu kaufen. Der Stolz auf eigene Automarken ist groß im Land.
Wer mag kann die Präsentation am 21. April 2026 live unter @Volkswagen Group China (@大众中国) auf Weibo und WeChat verfolgen.
