Das kroatische Unternehmen Verne startet in Zagreb den ersten kommerziellen Robotaxi-Dienst Europas. In Kooperation mit dem Technologie-Spezialisten Pony.ai und dem Fahrdienst-Vermittler Uber sind autonome Fahrten für die Öffentlichkeit buchbar. Der Start markiert einen wichtigen Schritt für die autonome Mobilität auf dem Kontinent. Die entscheidende Hürde zum vollständig fahrerlosen Betrieb bleibt jedoch bestehen: Vorerst sitzt ein Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer.
Start in Zagreb
Ab sofort können Nutzer in der kroatischen Hauptstadt über die Verne-App ein autonom fahrendes Fahrzeug buchen und bezahlen. Die Integration in die Uber-App erfolgt in Kürze. Das initiale Einsatzgebiet beschränkt sich auf zentrale Stadtteile Zagrebs, eine Ausweitung ist geplant. Verne betreibt dabei die Flotte als Eigentümer und Operator, während Pony.ai die Technologie liefert und Uber seine Plattform zur Vermittlung der Fahrten zur Verfügung stellt.
„Erstmals können in Europa Menschen autonome Fahrten im Robotaxi buchen“, sagt Marko Pejković, Co-Founder and CEO of Verne. Technisch gesehen handelt es sich jedoch noch nicht um einen vollständig autonomen Betrieb nach Level 4 oder 5. In der Anfangsphase überwacht ein geschulter „Autonomous Vehicle Operator“ jede Fahrt vom Fahrersitz aus. Dieser Schritt ist regulatorisch notwendig und dient der Absicherung. Das Ziel sei der Übergang zum fahrerlosen Betrieb, sobald die regulatorischen Freigaben vorliegen und die Technologie die erforderlichen Sicherheitsstandards erfüllt.
Technologie von Pony.ai im Arcfox Alpha T5
Als Fahrzeugplattform dient der Arcfox Alpha T5, der mit dem autonomen Fahrsystem der siebten Generation von Pony.ai ausgestattet ist. Dieses System bildet das technologische Herzstück des Dienstes. Es verarbeitet die Daten der Sensor-Suite, die typischerweise aus Lidar-Sensoren (Light Detection and Ranging), Radar und Kameras besteht, um ein 360-Grad-Bild der Umgebung zu erstellen und das Fahrzeug sicher durch den Verkehr zu navigieren. Die E/E-Architektur des Fahrzeugs muss dabei die enormen Datenmengen in Echtzeit verarbeiten können.
Pony.ai bringt dabei seine Erfahrung aus dem chinesischen Markt ein, wo das Unternehmen bereits Robotaxi-Dienste in mehreren Städten betreibt. „In China beweist die siebte Generation unseres Systems bereits in Guangzhou und Shenzhen die Reife zur Kommerzialisierung“, sagt Dr. James Peng, Founder and CEO of Pony.ai. Die Partnerschaft mit Verne und Uber soll nun die Expansion nach Europa beschleunigen.
Die Skalierung: Europas Metropolen im Visier
Zagreb ist für die Partner der Anfang. Verne führt bereits Gespräche mit elf weiteren Städten in der EU, Großbritannien und dem Nahen Osten. Langfristig plant das Unternehmen zudem den Einsatz eines speziell für den autonomen Betrieb entwickelten Fahrzeugs. Dieses „Purpose-built Vehicle“ soll als Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale konzipiert sein und die Betriebskosten weiter senken. Die größte Herausforderung auf dem Weg zur Skalierung bleibt die regulatorische Landschaft in Europa. Jeder Markt erfordert eigene, komplexe Genehmigungsverfahren für den fahrerlosen Betrieb.
Wichtiger Schritt, aber kein Durchbruch
Der Start des kommerziellen Dienstes von Verne in Zagreb ist zweifellos ein Meilenstein für die autonome Mobilität in Europa. Erstmals wird die Technologie über den Status von Pilotprojekten hinaus als bezahlter Service für die Öffentlichkeit angeboten. Die starke Partnerschaft mit dem Technologie-Lieferanten Pony.ai und dem Plattform-Giganten Uber schafft eine solide Grundlage.
Der entscheidende technische und wirtschaftliche Knackpunkt bleibt jedoch ungelöst: der Sicherheitsfahrer. Solange ein Mensch das System überwachen muss, sind die Betriebskosten kaum geringer als bei einem klassischen Taxi- oder Fahrdienst. Die wahre Disruption beginnt erst mit dem fahrerlosen Betrieb.
Wettbewerber wie Waymo zeigen in ausgewählten Städten der USA bereits, dass dies technisch möglich ist. Für Verne wird die größte Aufgabe nun darin bestehen, die Behörden von der Sicherheit ihres Systems zu überzeugen, um den Menschen vom Fahrersitz zu verbannen. Erst dann wird sich zeigen, ob das Geschäftsmodell tragfähig ist.
