Tesla FSD überwacht: Europa-Premiere für Full Self Driving von Tesla

Tesla FSD

Tesla startet sein Fahrerassistenzsystem „Full Self-Driving (Überwacht)“ in den Niederlanden. Dies ist der erste Einsatz der umstrittenen Software auf europäischen Straßen. Obwohl der Name volles autonomes Fahren suggeriert, handelt es sich um ein Assistenzsystem nach Level 2. Das bedeutet, der Fahrer muss jederzeit eingreifen können und ist für das Fahrverhalten des Autos verantwortlich. Die Technik basiert ausschließlich auf Kameras und weicht damit fundamental von den Ansätzen sämtlicher Wettbewerber ab.

Start in den Niederlanden nach langem Warten

Nach monatelangen Tests und einem aufwendigen Zulassungsprozess hat Tesla am 10. April 2026 die behördliche Freigabe des RDW (Rijksdienst voor het Wegverkeer) für Full Self-Driving (überwacht), in den Niederlanden erhalten. Die FSD-Freischaltung für berechtigte Kundenfahrzeuge soll in den kommenden Tagen per Over-the-Air (OTA) Software-Update erfolgen. Damit bringt der US-Hersteller sein Fahrerassistenzpaket erstmals nach Europa. Allerdings ist der Fahrassistent nur für die Niederlande zugelassen. Übergequert ein Tesla-Fahrer die Landesgrenze, muss der Assistent automatisch deaktiviert werden.

Tesla hatte gehofft, unter der UNECE-Vorschrift der DCAS-Regelung (Driver Control Assistance Systems) eine europaweite Freigabe zu erhalten. Dem Antrag waren umfangreiche interne Tests vorausgegangen, bei denen über 1,6 Millionen Kilometer auf europäischen Straßen zurückgelegt wurden. Zudem habe man den Regulierungsbehörden in fast jedem EU-Land Demonstrationen und umfangreiche Dokumentationen zur Verfügung gestellt.

Tesla FSD überwacht
FSD überwacht in einem Tesla Model 3

Funktionsweise: Vision-Only und neuronale Netze

Das Herzstück von FSD ist ein End-to-End-neuronales Netzwerk. Anders als bei traditionellen, regelbasierten Systemen lernt die Software anhand realer, anonymisierter Fahrdaten der globalen Tesla-Flotte. Das System interpretiert die Umgebung und leitet daraus direkt Steuerbefehle für Lenkung, Beschleunigung und Bremsen ab. Tesla gibt an, dass die gesamte Analyse der Kamerabilder und Sensordaten lokal auf dem KI-Computer im Fahrzeug stattfindet, um die Privatsphäre zu schützen.

Der entscheidende technische Unterschied zur Konkurrenz liegt in der Sensorik. Tesla setzt ausschließlich auf Kameras zur Erfassung der Umgebung („Vision-Only“). Auf redundante Systeme wie Lidar (Light Detection and Ranging) und Radar, die bei sämtlichen anderen Herstellern zur Standardarchitektur für hochautomatisiertes Fahren gehören, verzichtet das Unternehmen. Dieser Ansatz ist in der Fachwelt umstritten, da Kameras bei schlechten Sichtverhältnissen wie starkem Regen, Nebel, Nacht oder direkter Sonneneinstrahlung an ihre physikalischen Grenzen stoßen können.

Level 2 im Marketing-Gewand: Die Grenzen des Systems

Trotz des Namens „Full Self-Driving“ handelt es sich bei dem System nicht um autonomes Fahren im Sinne der SAE-Level 4 oder 5. Die Software erfordert die ständige und aktive Überwachung durch den Fahrer, der zu jeder Zeit die rechtliche Verantwortung für das Fahrzeug trägt. Damit ist FSD (überwacht) klar als ein Level-2-System klassifiziert, vergleichbar mit erweiterten Autobahnpiloten anderer Hersteller. Es kann im Stadtverkehr navigieren, Kreuzungen überqueren und Spurwechsel durchführen, erfordert aber jederzeit die Eingriffsbereitschaft des Menschen.

Das US-Unternehmen untermauert die Sicherheit des Systems mit Daten aus dem Flottenbetrieb. Bis heute wurden weltweit über 14 Milliarden Kilometer mit FSD (Überwacht) gefahren. Laut einer von Tesla veröffentlichten Statistik seien Kollisionen pro gefahrenem Kilometer bei aktiviertem System bis zu siebenmal unwahrscheinlicher als bei rein manuellem Fahren.

Tesla Model 3 FSD überwacht
Tesla Model 3 mit FSD überwacht

Wichtiger Meilenstein mit offenen Fragen

Der Start von FSD (Überwacht) in den Niederlanden ist für Tesla ein wichtiger Schritt, um seine Softwarekompetenz auch auf dem regulierten europäischen Markt zu etablieren. Gleichzeitig wird der Praxiseinsatz zeigen, wie robust der kamerabasierte Ansatz unter den hiesigen Verkehrs- und Wetterbedingungen wirklich ist.

Die Konkurrenz ist bereits einen Schritt weiter: Mercedes-Benz bietet mit dem „Drive Pilot“ ein zertifiziertes Level-3-System an, das dem Fahrer unter bestimmten Bedingungen erlaubt, auf der Autobahn die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Gleiches gilt für BMW. Doch beide Hersteller haben entschieden, in den Auffrischungen ihrer Oberklassemodelle den Lidar-Sensor nicht länger zu verbauen. Zu wenige Kunden haben die rund 6.000 Euro teure Option gebucht.

BMW und Mercedes-Benz beenden Level 3-Angebot

Das liegt weniger am Misstrauen gegenüber der Technik als an der möglichen Nutzungszeit. Bei beiden Herstellern ist die Nutzungszeit stark eingeschränkt. Der Level 3-Assistent funktioniert vereinfacht gesagt nur auf der Autobahn mit einem vorausfahrenden Fahrzeug bei Tageslicht und gutem Wetter. Technisch wäre mehr möglich, doch da bei Level 3 die Verantwortung bei Unfällen auf den Autohersteller übergeht, sind die Unternehmen vorsichtig.

Tesla FSD (Überwacht) dürfte bei Kunden in den Niederlanden, die den Assistenzdienst mit Kauf / Leasing erworben haben, automatisch mit einem Update freigeschaltet werden. Für alle anderen, deren Autos die technischen Voraussetzungen erfüllen, dürfte es ein Abo-Angebot geben. Noch wird vom Hersteller kein Preise für die Niederlande genannt. In den USA wird das Abo seit Ende 2020 für 99 Dollar pro Monat angeboten.

Meine FSD-Testfahrt in Hamburg Anfang Dezember 2025:

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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