Strommix Deutschland Q1 2026: Mehr grüner Strom für E-Autos

Mercedes Benz Solardach

Der Erfolg der Elektromobilität ist untrennbar mit erneurbarer Energie verbunden. Nur wenn dieser aus regenerativen Quellen stammt, ist der ökologische Vorteil gegenüber dem Verbrennungsmotor signifikant. Aktuelle Zahlen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für das erste Quartal 2026 liefern ein aufschlussreiches Bild. Mit einem Anteil von 53 Prozent deckten Erneuerbare Energien erstmals mehr als die Hälfte des deutschen Stromverbrauchs in einem ersten Jahresquartal. Das ist eine positive Nachricht für jeden E-Auto-Fahrer. Doch eine detaillierte Analyse der Daten zeigt eine starke Abhängigkeit von einzelnen Energieträgern und offenbart deutliche Schwachstellen im System.

Windkraft als treibende Kraft im ersten Quartal

Erneuerbare Energie Stromverbrauch Q1 2026

Die vorläufigen Berechnungen zeigen eine deutliche Steigerung: Insgesamt wurden von Januar bis März 73,4 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom aus regenerativen Quellen erzeugt. Dieser Anstieg um fast sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist fast ausschließlich auf eine höhere Stromerzeugung aus Windkraft zurückzuführen. Windenergieanlagen an Land steigerten ihre Produktion um 27,5 Prozent auf 34,4 Mrd. kWh. Noch deutlicher fiel das Wachstum bei der Offshore-Windenergie aus, die um 44,4 Prozent auf 9,8 Mrd. kWh zulegte. Damit war die Windkraft das unangefochtene Rückgrat der erneuerbaren Stromerzeugung und kompensierte die Defizite anderer Technologien mehr als deutlich.

Schattenseiten: Photovoltaik und Wasserkraft schwächeln

Während die Windräder auf Hochtouren liefen, zeigten sich bei anderen Quellen erhebliche Einbrüche. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lag mit 13,5 Mrd. kWh rund fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Als Ursache nennen die Verbände ungünstige Witterungsbedingungen im Vergleich zum sonnigeren Jahresbeginn 2025.

Noch drastischer fiel der Rückgang bei der Wasserkraft aus. Geringe Niederschlagsmengen führten zu einer Reduktion der Erzeugung um rund 21 Prozent auf nur noch 3,3 Mrd. kWh. Die Erzeugung aus Biomasse blieb mit 11,0 Mrd. kWh nahezu stabil (-1,5 Prozent). Diese Zahlen verdeutlichen die hohe Volatilität des deutschen Energiemixes und die Wetterabhängigkeit zentraler Erzeugungsarten – eine Herausforderung für die Stabilität der Netze, die für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur essenziell ist.

Verbände fordern verlässliche Rahmenbedingungen

Die Vertreter der Verbände nutzen die positiven Gesamtzahlen, um an die Politik zu appellieren. Die Stärkung der Versorgungssicherheit und die Reduzierung von Abhängigkeiten stehen im Fokus. „In Zeiten internationaler Krisen zeigt sich noch einmal sehr deutlich: Erneuerbare leisten einen wichtigen Beitrag gegenüber fossilen Importabhängigkeiten“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Sie fordert, den Ausbau der Erneuerbaren und der Netze konsequent voranzutreiben und dabei die wirtschaftliche Planbarkeit für Betreiber und Netzbetreiber sicherzustellen.

Auch die Industrie und der Technologiestandort Deutschland werden in die Pflicht genommen. „Nur eine auf Erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung schafft auch die notwendige Resilienz für die Industrie, eröffnet vielfältige Chancen für Innovationen und trägt langfristig zum Erhalt des Wohlstands bei“, betont Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. Er verweist auf die Notwendigkeit, europäische Instrumente wie den Net Zero Industry Act zu nutzen, um deutsche Unternehmen in Zukunftsfeldern wie Batterietechnologie und Wasserstoff zu stärken.

Fazit: Ein Schritt nach vorn mit Vorbehalten

Der Rekordanteil von 53 Prozent erneuerbarer Energien im ersten Quartal 2026 verbessert die Well-to-Wheel-Bilanz jedes in Deutschland geladenen Elektrofahrzeugs. Der Strom aus der Ladesäule wird statistisch sauberer. Dennoch ist der Fortschritt fragil. Die starke Abhängigkeit von der Windenergie und die gleichzeitige Schwäche von Photovoltaik und Wasserkraft zeigen, dass der Weg zu einer stabilen, vollständig regenerativen Energieversorgung noch weit ist.

Für die Automobilindustrie und ihre Zulieferer bedeutet dies, dass die Transformation zur E-Mobilität untrennbar mit der Energiewende verknüpft bleibt. Ohne einen beschleunigten, diversifizierten und wetterunabhängigeren Ausbau der Erneuerbaren sowie einen massiven Netzausbau bleibt das Versprechen der emissionsfreien Mobilität angreifbar. Die aktuellen Zahlen sind ein Etappensieg, aber noch lange nicht das Ziel.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

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