Porsche vollzieht einen radikalen Schnitt und richtet seine Unternehmensstrategie neu aus. Im Zuge dieser Fokussierung auf das automobile Kerngeschäft beendet der Stuttgarter Sportwagenhersteller die Aktivitäten von drei Tochtergesellschaften. Besonders aufhorchen lässt die Schließung der Cellforce Group, Porsches ambitioniertem Projekt für eine eigene Fertigung von Hochleistungs-Batteriezellen. Von den Maßnahmen sind insgesamt mehr als 500 Mitarbeiter betroffen.
Fokus auf das Kerngeschäft erzwingt Einschnitte
Die Entscheidung ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung aufgrund der Geschäftszahlen. Zoll in den USA, Absatzeinbruch in China sind die wesentlichen Gründe für einen massiven Gewinneinbruch im vergangenen Jahr. Das Ergebnis nach Steuern sank im Vergleich zum Vorjahr um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro.
Begonnen hat der Konsolidierungskurs mit dem Verkauf der restlichen Anteile (45%) am Gemeinschaftsunternehmen Bugatti Rimac. Zunächst hatte Porsche die französische Sportwagenmarke beim kroatischen Unternehmen für elektrische Hypercars Rimac eingebracht. Nun gehen die Anteile an Finanzinvestoren. Volkswagen hatte Bugatti 1998 übernommen, um bei Luxusmarken vertreten zu sein. Allerdings liegen die jährlichen Verkaufszahlen im niedrigen zweistelligen Bereich.
Nun folgen weitere Verkäufe: Porsche liquidiert die Cellforce Group, Porsche eBike Performance sowie die Software-Schmiede Cetitec. Die Begründung aus Zuffenhausen ist ebenso knapp wie klar: „Porsche muss sich wieder auf sein Kerngeschäft fokussieren. Das ist die unabdingbare Grundlage für eine erfolgreiche strategische Neuausrichtung. Das zwingt uns zu schmerzhaften Einschnitten – auch bei unseren Tochtergesellschaften„, sagt Dr. Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender von Porsche.

Das überraschende Aus für Cellforce
Die Schließung der Cellforce Group in Kirchentellinsfurt ist die strategisch bedeutendste und zugleich überraschendste Entscheidung. Das Unternehmen wurde gegründet, um für zukünftige Porsche-Modelle Hochleistungs-Batteriezellen mit Silizium-Anode zu entwickeln. Diese Technologie verspricht höhere Energiedichten und schnellere Ladevorgänge. Dass Porsche dieses Projekt nun einstellt, markiert eine bemerkenswerte Abkehr vom Branchentrend zur vertikalen Integration, den Wettbewerber wie Tesla oder auch der eigene Konzernverbund mit der Volkswagen-Tochter PowerCo verfolgen.
Laut Porsche bestehe für Cellforce im Rahmen der neuen „technologieoffenen Antriebstrategie“ keine ausreichend tragfähige Perspektive mehr. Kritisch betrachtet, bedeutet dies das Ende des Versuchs, eine Schlüsseltechnologie der Elektromobilität im eigenen Haus zu beherrschen. Porsche macht sich damit künftig wieder vollständig von externen Zelllieferanten abhängig. In Konkurrenz zu Cellforce entwickelte auch Varta Hochleistungszellen für Sportwagen. Varta ist ein Sanierungsfall und Porsche hat das gemeinsame Tochterunternehmen V4 Drive Battery übernommen. Das Know how ist unter dem Namen V4 Smart Batterien also im Unternehmen vorhanden.
E-Bike-Sparte und Software-Tochter ebenfalls betroffen
Auch die Diversifizierungsversuche in andere Mobilitätssegmente werden beendet. Die Porsche E-Bike Performance GmbH, die leistungsstarke Antriebssysteme für E-Bikes entwickeln sollte, wird aufgrund „grundlegend veränderter Marktbedingungen“ geschlossen. Davon sind rund 350 Mitarbeiter in Ottobrunn und Zagreb betroffen.
Ebenso endet die Geschichte der Cetitec GmbH. Die Softwareschmiede aus Pforzheim entwickelte Kommunikationssoftware für den Volkswagen-Konzern. Hier haben sich laut Porsche die Entwicklungsumfänge verlagert, was dem Unternehmen die Geschäftsgrundlage entzieht. Betroffen sind rund 60 Mitarbeiter in Deutschland und 30 in Kroatien. Cetitec war auf die Vernetzung von Fahrzeugkomponenten spezialisiert. Eigentlich ein vielversprechender Bereiche bei der Entwicklung von Software Defined Vehicles. Es bleibt unklar, durch wenn Porsche respektive Volkswagen die Cetitec-Software ersetzt.
Fazit: Mutige oder riskante Kehrtwende?
Porsche zieht die Reißleine und trennt sich konsequent von Projekten außerhalb des Kerngeschäfts. Während die Schließung der E-Bike-Sparte als Korrektur eines Ausflugs in fremde Märkte verstanden werden kann, wiegt das Ende von Cellforce als auch Cetitec schwerer. In einer Zeit, in der die Kontrolle über die Batteriezell-Technologie sowie Software als entscheidender Wettbewerbsvorteil gilt, ist der Rückzug Porsches ein riskantes Manöver. Die Stuttgarter setzen alles auf die Karte, die leistungsfähigsten Zellen am Markt einkaufen zu können, anstatt sie selbst zu entwickeln. Ob diese Strategie der reinen Konzentration aufgeht oder sich als technisches Defizit erweist und man später das Know how für viel mehr Geld wieder einkaufen muss, werden kommende Fahrzeuggenerationen zeigen.