Renault startet mit dem Strategieplan „futuREady“ eine Neuausrichtung. Der Konzern will sich mit einer Reihe neuer Produkte, beschleunigter Technologieentwicklung und gesteigerter Effizienz für die Zukunft aufstellen. Im Zentrum steht eine Produktoffensive, die das Unternehmen auf einen robusten Wachstumskurs bringen soll.
Produktoffensive: 36 neue Modelle bis 2030
Der Plan sieht vor, bis zum Jahr 2030 insgesamt 36 neue Modelle auf den Markt zu bringen. Allein in Europa sind 22 Neuheiten geplant, davon 16 vollelektrisch. Die Marke Renault selbst wird ihr Portfolio in Europa um zwölf neue Modelle erweitern und die Elektrifizierung ihrer Palette vorantreiben. Über 2030 hinaus setzt das Unternehmen weiterhin auf Hybridtechnologie und plant international 14 weitere Modelle einzuführen.
Dacia wird seine Elektrifizierung ebenfalls beschleunigen. Bis 2030 sollen zwei Drittel der Verkäufe auf elektrifizierte Modelle entfallen, die Zahl der reinen E-Modelle wächst von einem auf vier. Alpine treibt seine Wachstumsstrategie mit der nächsten Generation des A110 sowie den neuen Modellen A290 und A390 voran. Parallel dazu soll das Kundenerlebnis über den gesamten Fahrzeug-Lebenszyklus durch digitale Lösungen verbessert werden. Ziel ist es, die Kundentreue auf 80 Prozent über einen Zehnjahreszyklus zu steigern.
Technologie im Fokus: 800 Volt, Software und neue Antriebe
Technologisch bereitet Renault die nächste Generation von Elektrofahrzeugen vor. Eine neue modulare Plattform namens RGEV Medium 2.0 soll ein breites Spektrum an Modellen vom B+- bis zum D-Segment abdecken und verschiedene Karosserieformen unterstützen. Eine 800-Volt-Architektur soll ab 2030 Ladezeiten von nur zehn Minuten ermöglichen. Die Reichweite der reinen Elektroversionen soll bis zu 750 Kilometer nach WLTP betragen.
Mit einer zentralisierten Software-Architektur (Software Defined Vehicle) können künftig 90 Prozent der Fahrzeugfunktionen per Over-the-Air-Update aktualisiert werden. Der nächste Schritt ist die Entwicklung zum „Artificial Intelligence Defined Vehicle“, das Infotainment, Fahrerassistenzsysteme und Fahrwerk intelligent steuert. Bei den Batterien setzt der Konzern auf zwei unterschiedliche Zellchemien: eine für hohe Reichweiten und eine kosteneffiziente Variante für Kleinwagen. Zudem entwickelt das Unternehmen einen Elektromotor der dritten Generation ohne seltene Erden, der 275 PS leisten und 20 Prozent günstiger in der Herstellung sein soll.
Dacia: Vier neue Elektroautos bis 2030
Die rumänische Tochtermarke Dacia plant den Einstieg in die Elektromobilität mit vier vollelektrischen Modellen bis 2030. Den Anfang macht noch in diesem Jahr ein in Europa produziertes Elektrofahrzeug für das A-Segment. Es basiert auf der AmpR Small Plattform der Renault Group und wurde in weniger als 16 Monaten entwickelt. Der Einstiegspreis soll unter 18.000 Euro liegen. Gleichzeitig wird die Elektrifizierung der gesamten Modellpalette vorangetrieben. Zukünftig sollen zwei Drittel der verkauften Fahrzeuge über elektrifizierte Antriebe wie neue Vollhybridmodelle verfügen.
Offensive im C-Segment mit Dacia Striker
Mit dem neuen Modell Striker will Dacia seine Präsenz im C-Segment ausbauen. Der Lifestyle-Kombi soll neben dem SUV Bigster positioniert werden. Ziel ist es, den Anteil der C-Segment-Fahrzeuge am Gesamtabsatz von derzeit einem Fünftel auf ein Drittel zu steigern. Der Dacia Striker soll im Juni vollständig vorgestellt werden.

Effizienz und Tempo: Die Antwort auf neue Wettbewerber
Um mit der Geschwindigkeit neuer Wettbewerber mitzuhalten, will Renault den Entwicklungszyklus für neue Fahrzeuge auf zwei Jahre verkürzen. In der Produktion kommt das industrielle Metaverse, der digitale Zwilling aller Werke, zum Einsatz, um Prozesse in Echtzeit zu überwachen. Der Einsatz von 350 humanoiden Robotern und künstlicher Intelligenz soll die Produktionskosten um 20 Prozent senken.
Auch die Lieferkette wird durch digitale Kontrollzentralen optimiert, die Warenströme in Echtzeit überwachen und Risiken frühzeitig erkennen. Dies soll die Logistikkosten um 30 Prozent reduzieren. Durch eine strikte Kostenkontrolle strebt der Konzern an, die variablen Stückkosten pro Fahrzeug um durchschnittlich 400 Euro pro Jahr zu senken.
Starke Partnerschaften als strategischer Hebel
Renault festigt seine Zusammenarbeit mit Partnern wie Nissan und Mitsubishi Motors. In Europa bleibt der Konzern technologisch unabhängig und öffnet sich für die Produktion von Fahrzeugen für andere Hersteller wie Volvo oder Ford. International sollen Kooperationen das Wachstum beschleunigen. Indien wird zu einem Produktions- und Lieferzentrum ausgebaut, während die Partnerschaft mit Geely in Südkorea und Südamerika gestärkt wird. Bis 2030 plant Renault, über 300.000 Fahrzeuge für fünf verschiedene Hersteller auf drei Kontinenten zu produzieren.
