Die BMW Group bereitet ihr historisches Stammwerk im Münchner Stadtteil Milbertshofen auf die Zukunft vor. Mit einer Investition von 650 Millionen Euro entsteht hier die Produktionsstätte für die „Neue Klasse“.
Ab August 2026 startet die Serienfertigung des elektrischen BMW i3. Das Werk transformiert sich bis 2027 zu einem reinen E-Fahrzeug-Standort, der auf maximale Effizienz durch Digitalisierung und Robotik getrimmt ist.
Radikaler Umbau auf historischem Grund
Das Werk mitten in der Stadt erfindet sich neu. Während täglich bis zu 1.000 Fahrzeuge der aktuellen Generation vom Band laufen, vollzieht der Standort eine tiefgreifende Transformation. „Darauf haben wir uns intensiv vorbereitet. Mit der BMW iFactory haben wir einen konsistenten strategischen Rahmen für unsere Produktion erarbeitet“, erklärt Milan Nedeljković, Produktionsvorstand der BMW AG und ab Mai CEO des Konzerns. Dieser Rahmen stützt sich auf die Säulen Effizienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Der Umbau soll sich auch finanziell auszahlen. „Mit dem Produktionsstart des BMW i3 werden wir die Produktionskosten am Standort München um weitere zehn Prozent reduzieren und damit unter dem Niveau der aktuellen Fahrzeuggeneration liegen“, sagt Werkleiter Peter Weber.
Digitalisierung und Robotik als Effizienztreiber
Das Herzstück der Modernisierung sind ein neuer Karosseriebau und eine neue Fahrzeugmontage, die auf dem Areal des ehemaligen Motorenbaus errichtet wurde. Der Automatisierungsgrad ist hoch: Im neuen Karosseriebau übernehmen 800 Industrieroboter die Fügevorgänge, was einer Automatisierungsquote von rund 98 Prozent entspricht. Die Planung der Anlagen erfolgte mithilfe eines virtuellen Zwillings, um Prozesse vorab zu simulieren und zu optimieren.

Auch in der Qualitätssicherung setzt BMW auf künstliche Intelligenz. Eine automatisierte Oberflächeninspektion, kurz AOI (Automated Surface Inspection), prüft Karosserieteile und Lackoberflächen mithilfe von Kamerasystemen auf kleinste Abweichungen. Erkannte Fehler werden von einer automatisierten Oberflächenbearbeitung (AOB) direkt im Prozess korrigiert. Die digitale Durchdringung setzt sich in der Montage fort. Jedes Fahrzeug der Neuen Klasse meldet während der Fertigung den Status von bis zu 20.000 Merkmalen live an das Produktionssystem. Dies ermöglicht eine lückenlose Nachverfolgung und Qualitätskontrolle in Echtzeit. „Heute ist unser Werk noch effizienter, flexibler und noch digitalisierter als je zuvor. Damit sichern wir die Zukunftsfähigkeit des Werks“, sagt Weber.

Intelligente Logistik auf engstem Raum
Eine besondere Herausforderung des innerstädtischen Werks ist die Logistik. BMW löst diese mit einer mehrstöckigen Gebäudestruktur, die eine Direktanbindung an die Produktion ermöglicht. Künftig werden rund 70 Prozent der 2,5 Millionen Teile, die täglich benötigt werden, direkt an die Montageplätze geliefert. Das reduziert interne Transportwege erheblich. Smart Transport Robots und fahrerlose Transportsysteme übernehmen dabei rund 60 Prozent der Versorgungsaufgaben. Ein digitaler Logistikleitstand steuert und überwacht alle Materialflüsse datenbasiert.
Regionale Wertschöpfung für den Antrieb
Die zentralen Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang der Neuen Klasse stammen aus einem regionalen Produktionsverbund. Die Hochvoltbatterien der sechsten Generation werden im neuen Werk in Irlbach-Straßkirchen in Niederbayern montiert und von dort nach München geliefert. Der ebenfalls neu entwickelte E-Motor der sechsten Generation entsteht im BMW Group Werk Steyr in Österreich. Das Motorengehäuse aus Aluminium gießt das Werk in Landshut.
BMW stellt die Weichen – die Bewährungsprobe folgt
BMW investiert massiv in die Transformation seines wichtigsten deutschen Standorts und setzt dabei konsequent auf die Prinzipien von Industrie 4.0. Die hohe Automatisierung und die durchgängige Digitalisierung der Prozesse sind technologisch beeindruckend und sollen die Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Der Produktionsstart des neuen BMW i3 im August markiert einen entscheidenden Meilenstein. Die eigentliche Bewährungsprobe für die Neue Klasse steht jedoch noch bevor: Sie muss sich nicht nur gegen etablierte Wettbewerber behaupten, sondern auch gegen eine wachsende Zahl agiler Konkurrenten aus China, die in den Bereichen Software und Kostenstruktur neue Maßstäbe setzen. Die Effizienz der neuen iFactory in München wird dabei ein entscheidender Faktor sein.
