Fastned: Wachstum auf Rekordniveau trifft auf Netzausbau-Realität

Fastned

Das europäische Schnellladeunternehmen Fastned hat seine Geschäftszahlen für 2025 vorgelegt und untermauert damit den dynamischen Hochlauf der Ladeinfrastruktur in Europa. Erstmals überschritt der Umsatz aus Ladevorgängen die Marke von 100 Millionen Euro und erreichte 122,4 Millionen Euro. Dies entspricht einer Verdopplung innerhalb von nur zwei Jahren. Das Wachstum ist beeindruckend, doch der Bericht legt auch den Finger in die Wunde der Elektromobilität: Die verfügbare Netzkapazität wird zum Nadelöhr für die Expansion.

Umsatz pro Standort liegt bei 331.000 Euro

Mit einem Ladeumsatz von 122,4 Millionen Euro verzeichnete Fastned eine Steigerung von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im operativen Ergebnis wider: Das operative EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erhöhte sich um 34 Prozent auf 43,6 Millionen Euro. Die operative EBITDA-Marge liegt mit 36 Prozent im prognostizierten Korridor und zeigt, dass das Geschäftsmodell mit zunehmender Skalierung profitabler wird. Allerdings sorgen die Kosten für die Erschließung und Aufbau neuer Ladestationen für einen Verlust. Unter dem Strich blieb 2025 ein Fehlbetrag von 30,2 Millionen Euro – das waren knapp 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist die Auslastung der einzelnen Standorte. Hier konnte Fastned ebenfalls zulegen. Der durchschnittliche Umsatz pro Station stieg von 270.000 Euro im Vorjahr auf 331.000 Euro. Dies belegt, dass bestehende Ladeparks mit der wachsenden Zahl an Elektrofahrzeugen auf den Straßen zunehmend rentabel arbeiten. Die Finanzierung des Wachstums sichert das Unternehmen vor allem durch Privatanleger. Über ein Anleiheprogramm wurden 2025 mehr als 110 Millionen Euro eingesammelt.

Europaweite Expansion als Strategie

Fastned transformiert sich von einem niederländischen Anbieter zu einem paneuropäischen Akteur. Zum Jahresende 2025 betrieb das Unternehmen mit 222 Standorten erstmals mehr Ladeparks außerhalb des Heimatmarktes als in den Niederlanden (184). Insgesamt wuchs das Netz auf 406 Stationen in neun Ländern an.

Mit der Eröffnung erster Standorte in Italien und Spanien wurden 2025 zwei strategisch wichtige Märkte erschlossen. In Deutschland wurde mit der Station Neufelder Heide-Süd der erste Ladepark direkt an einer deutschen Autobahn in Betrieb genommen. Vor Gericht erlang Fastned einen Erfolg bei Neuausschreibungen von Schnellladestationen an Autobahn-Raststätten in Deutschland. Auch in etablierten Märkten wie Belgien, Deutschland und Frankreich wurde die Marke von 50 Stationen überschritten. Die Pipeline für den weiteren Ausbau ist gut gefüllt: Von den angestrebten 1.000 Stationen sind bereits 663 Standorte vertraglich gesichert.

Mehr als nur Laden: Das Kundenerlebnis im Fokus

Mit der zunehmenden Reife des E-Mobilitätsmarktes verschieben sich auch die Anforderungen der Kunden. Das reine Bereitstellen von Energie reicht nicht mehr aus. Fastned reagiert darauf mit der Entwicklung von Flagship-Stationen. An Standorten wie in Gentbrugge (Belgien) entstehen vollelektrische Raststätten, die neben Ladeinfrastruktur für Pkw und Lkw auch Restaurants, Shops und Sanitäranlagen bieten. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Aufenthaltsqualität während des Ladevorgangs zu erhöhen und zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Auch das Laden für schwere Nutzfahrzeuge rückt in den Fokus. An ausgewählten Standorten werden bereits 400-kW-Ladesäulen mit separaten Fahrspuren für Lkw installiert – ein notwendiger Schritt, um die Dekarbonisierung des Güterverkehrs voranzutreiben.

Die Achillesferse: Netzkapazitäten

Trotz der positiven Entwicklung benennt Fastned den kritischsten Engpass klar: „Die verfügbare Netzkapazität bleibt aus Sicht von Fastned der wichtigste begrenzende Faktor für den weiteren Ausbau von Schnellladeinfrastruktur in Europa“, heißt es im Bericht. Ohne massive Investitionen in die Modernisierung der Stromnetze droht die Verkehrswende ausgebremst zu werden.

Um dieses Problem technologisch zu adressieren, pilotiert das Unternehmen den Einsatz von Batterie-Energiespeichersystemen (BESS: Battery Energy Storage Systems). Diese Pufferspeicher können Lastspitzen abfedern und Hochleistungsladen auch an Standorten mit schwächeren Netzanschlüssen ermöglichen. Zudem testet Fastned bereits Lader der nächsten Generation. An der Station Aalscholver in den Niederlanden wird ein Megawatt-Lader vom Typ Alpitronic HYC 1000 im Praxisbetrieb erprobt. Gleichzeitig engagiert sich das Unternehmen in Verbänden wie der neu gegründeten Green Industrial Grids Association (GIGA), um auf politischer Ebene auf die Dringlichkeit des Netzausbaus hinzuweisen.

„Wir haben gezeigt, dass Schnellladen ein kommerziell tragfähiges Geschäftsmodell ist, das langfristiges Kapital anziehen kann. Auf dieser Grundlage skalieren wir unser Geschäftsmodell nun in ganz Europa“, sagt Michiel Langezaal, Mitgründer und CEO von Fastned. „Heute haben wir nicht nur den Beweis erbracht, dass dies möglich ist, sondern auch, dass daraus ein erfolgreiches Unternehmen entstehen kann.“

Bild von Frank Schultz

Frank Schultz

ist passionierter E-Auto-Fahrer. Für ihn zählen leises und vor allem entspanntes Fahren zu den größten Vorteilen. Die Ladepausen verbringt er mit einem Blick auf die neuesten Meldungen zur Elektromobilität und postet sie hier.

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